Wenn die Menschheit vereinsamt

"Der Fortschritt unserer modernen Welt wächst mit jeder Sekunde. Damit züchten wir eine Generation heran, die sich im digitalen Cyberkosmos besser zurecht findet als in der Realität. Das Miteinander, das Menschliche weicht mehr und mehr - doch das Fatale ist, dass das Leben in sozialen Netzwerken verlockender scheint als die Welt da draußen. Das hat längst schon eine Eigendynamik entwickelt; das ist 'Automation Baby'", fasst Richard ('Rich') Silverthorn die inhaltliche Essenz der jüngsten Mesh-Kompositionen prägnant zusammen. Die Synthiepop-Pioniere Mark Hockings und Rich zeigen sich auch auf dem aktuellen Longplayer "Automation Baby" von ihrer kritischen, sarkastischen Seite und präsentieren grandiose Texte. Musikalisch ist dem charismatischen Duo aus Bristol seine jüngste Scheibe ebenfalls geglückt.

Kreative Schübe
"Mir geht es richtig gut", steigt ein bestens gelaunter Richard ins Gespräch ein, "ich bin zwar ein wenig erschöpft von dem intensiven Arbeitsprozess der letzten Monate, aber das passt schon", lässt er lachend verlauten, "schließlich entschädigt unsere neue Platte für den ganzen Stress, obwohl wir immer versuchen, diesen möglichst in Grenzen zu halten."
Dabei muss man sich die Vorbereitungsphase aber nicht so vorstellen, dass die Mesh-Jungs sich hinsetzen und genau zu jenem Zeitpunkt ein Album aus dem Boden stampfen wollen. "Das würde bei uns nicht funktionieren", klärt der Keyboarder auf, "wir sind nicht so gepolt, dass wir diese kreativen Schübe so kontrollieren können und wollen. Vielmehr nehmen wir den ganzen Tag Ideen und Überlegungen auf, schreiben ständig Songs - unabhängig von einer Produktion. Der Prozess, der sich fernab vom Studio abspielt, ist viel wichtiger: Dinge, die auf Tour passieren, Menschen, die wir unterwegs kennen lernen, Länder und Städte, die wir entdecken dürfen. Das sind die Eindrücke, die uns bestens auf ein neues Album vorbereiten."

Kein Plan
Ebenso lassen die beiden Soundtüftler potentielle Klangexperimente auf sich zu kommen. "Im Grunde haben wir meistens überhaupt keinen Plan im Vorfeld", schmunzelt Mister Silverthorn frech, "aber diese Offenheit genießen wir sehr, gibt sie uns doch die Möglichkeit, keine Einschränkungen oder selbst aufgelegte Begrenzungen zu fürchten, sondern stets neugierig und aufgeschlossen ans Werk zu gehen. Erst wenn wir wirklich intensiv mit der Arbeit begonnen haben, bekommen wir allmählich ein Gefühl dafür, wohin die Reise gehen soll, welche Komponenten zueinander passen und was optimal harmoniert. Diese Freiheit ist aber auch sehr wichtig für uns, schon seit Beginn an", sinniert Rich einen Augenblick, "nur so haben wir die Chance, dem Sound eine Eigendynamik zuzugestehen, irgendwann diesen Kick zu spüren und dann weißt du einfach, ja, das ist es."

Bauchgefühl
Hinzu kommt, dass Rich und Sänger Mark Hockings oftmals schon bei den ersten Einfällen und Versuchen gemerkt haben, ob diese fürs intensivere Tüfteln geeignet sind. "Ich besitze mittlerweile ein gutes Gespür für Melodien und Rhythmen und muss sagen, dass ich in den Jahren mit Mesh die Erfahrung gemacht habe, dass es zumeist die schnellen, spontanen Entscheidungen aus dem Bauch heraus sind, die am Ende am besten funktionieren. Wenn der Song beim ersten Mal einen klasse Flow hat, brauchst du nicht noch hundert Sachen verändern, die ihn vermeintlich besser machen könnten. Hier besteht ebenso die Gefahr, dass du die Nummer letztendlich gar nicht mehr wiedererkennst. Je mehr du den Liedern Luft zum Atmen lässt, umso intensiver werden sie dich am Ende berühren."

...

Den kompletten Artikel könnt Ihr in der Ausgabe 03/2013 des Sonic Seducer nachlesen.

Jasmin Froghy, Sonic Seducer

zurück