Gemeinsam einsam

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass Mark Hockings und Rich Silverthorn mit ihrem Album "A Perfect Solution", welches die Band selbst das als erfolgreichste ihrer Bandgeschichte bezeichnet, die Augen zahlreicher Electropop-Fans zum Leuchten brachte. Die Messlatte für ein neues Werk lag also hoch, aber mit ihrem für Februar angekündigten neuen Studioalbum "Automation Baby" will das Duo aus Bristol sich einmal mehr selbst übertreffen, und Rich ließ sich hierzu ein paar Details entlocken.

Vor dem Release des Albums steht allerdings noch die obligatorische Single an, und Mark und Rich sind dafür bekannt, sich mit der Titelauswahl hierfür traditionell eher schwer zu tun, nicht umsonst findet man gerade bei Mesh die brillantesten B-Seiten. Bei der designierten neuen Single "Born To Lie" war es anders, wie Rich erzählt: "Normalerweise sind wir nicht die Besten darin, eine Single auszuwählen, wo wir so lange so intensiv an den Stücken gearbeitet haben. Dieses Mal hatte ich ein Bauchgefühl, als ich die Musik schrieb, dass es ein guter Song werden wird. Mark hat es mir mit interessantem Gesang zurück geschickt. Die Strophen klingen sehr intensiv, dunkel und wütend, die sich dann in einem poppigen Refrain öffnen. Als unsere Plattenfirma über die erste Single sprach, war ich derjenige, der darauf bestand, dass es dieser Song wird. Ich hoffe, ich lag richtig", grinst er. Der Song selbst wartet mit einem äußerst knackigen Beat und absolutem Ohrwurmrefrain auf, bei dem man das euphorisch hüpfende Publikum direkt vor Augen hat. Und was dieses auf dem Rest des Album erwartet, umreißt Rich wie folgt: "Für mich liegt der Unterschied bei diesem Album darin, dass wir versucht haben, die Songs in ihrer Struktur zu variieren. Wir haben uns die Taktarten, Stimmungen und Geschwindigkeiten angesehen und haben versucht, ein Album zu schreiben, das sich dynamisch gesehen von 'A Perfect Solution' unterscheidet. Wir haben ein paar Songs sehr reduziert um das Gefühl des Songs zu betonen anstatt die Musik dichter zu machen. Wir hatten zu Beginn nicht wirklich einen Masterplan, aber wir wollten, dass es anders klingt als das, was wir bisher gemacht haben. Ich habe einen enormen Druck verspürt, weil 'A Perfect Solution' so gut bei den Fans und der Presse ankam, so dass wir dachten, dass es schwierig werden würde, dies besser zu machen. Erst als wir mit dem Mix und der Zusammenstellung des Albums anfingen, war ich mir sicher, dass wir das geschafft haben. Es klingt immer noch nach Mesh, aber wir haben einen Schritt nach vorne gemacht", verspricht er. Apropos Klang, denn für diesen zeichnet sich, wie bei "A Perfect Solution", erneut Olaf Wollschläger verantwortlich. "Wir waren mit der Art der Zusammenarbeit beim letzten Mal sehr zufrieden", erklärt Rich diese Entscheidung. "Mit den Jahren haben wir für uns festgestellt, dass es gut ist, jemanden außerhalb der Band als Produzenten und Mischer zu haben. Er mischte die Songs und hat kleine Veränderungen vorgeschlagen, die das Beste aus dem Song herausgeholt haben."
Inhaltlich geht es auf "Automation Baby" dieses Mal um eine mehr als aktuelle Thematik, wie Rich verrät: "Der Titel stammt von einem gleichnamigen Song auf dem Album. Es ist das erste Mal, dass wir einen Songtitel auch als Albumtitel benutzen. Es gibt eine Zeile in diesem Song, der einfach das Gefühl des Albums heraufbeschwört, die Art und Weise, wie wir in unserem Alltag von Technik abhängig sind. Die Menge an Kommunikationsgeräten, die wir alle nutzen, um untereinander in Kontakt zu bleiben, aber auch das Gefühl der Einsamkeit und Isolation", in Zeiten von Facebook, Smartphone & Co. ein stetig verbreiteter werdendes Phänomen, das die Band auf ihrem Album aus unterschiedlichen Blickwinkeln bearbeitet. Zum Schluss bleibt noch die Frage, was es denn nun mit der Überraschung auf sich hat, die die Band in ihrem letzten Newsletter geheimnisvoll angekündigt hat? "Dann wäre es ja keine Überraschung mehr", grinst Rich. "Ich denke, der unterschiedliche Sound des Albums macht es schon zu einer Überraschung vom Erwarteten. Wir denken auch über Angebote von einigen Sängern nach, aber da sind wir uns noch nicht sicher. Wir wollen nicht nur um der Sache willen einen Gastsänger dabei haben. Es muss auch musikalisch Sinn machen. In der Vergangenheit haben wir Sänger gefragt, weil wir denken, dass sie dem Song eine andere Dimension verleihen. Wer weiß... Überraschung!", und im Fall von Mesh doch gerne, denn eine Enttäuschung ist wie immer unwahrscheinlich.

Julia Beyer, Gothic

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