Alles wie immer - nur besser

Anfang der 90er - das waren noch Zeiten. Bands wie De/Vision, Elegant Machinery, Beborn Beton, Psyche oder And One, um nur einige zu nennen, erlebten damals einen wahren Boom, und Magazine wie New Life widmeten sich fast ausschließlich dem damals so populären Synthie-Pop. Längst dröhnt vielerorts eher harsches Geballer auf die Tanzflächen der Düsterclubs, aber dennoch vermag es eine Band des Genres, die damals noch in ihren Anfängen steckte, auch in den Zeiten der austauschbaren Hocico- und Combichrist-Klone eine immer größere Fangemeinde um sich zu scharen. Die Rede ist von Mesh alias Mark Hockings und Richard Silverthorn aus Bristol, die nun mit "Only Better" eine neue Single als Vorboten zum für Oktober angekündigten Album "A Perfect Solution" aus dem Hut zaubern, wie sie schöner nicht sein könnte. Rich erzählt uns gern mehr darüber.

Von den eben genannten Bands kommentierte Psyche-Sänger Darrin Huss vor kurzer Zeit die Meldung über Meshs Wechsel zu Dependent Records bei Facebook trocken, dass Mesh nun jetzt wohl ähnlich viele Labelwechsel hinter sich hätten wie er. Bei den letzten Labels Königskinder und Major Records kam es gar nur zu jeweils einer Veröffentlichung. "Niemand will mit uns arbeiten", scherzt Rich. "Nein, eigentlich hatten wir mit Major Records gar keinen Plattenvertrag unterschrieben. Nachdem es Königskinder nicht mehr gab, trat Hayo Lewerentz von Major Records auf den Plan und bot uns an, die Live-DVD zu veröffentlichen, die wir damals zusammenstellten. Wir haben Hayo auf Tour kennengelernt, wo er sich um X-Perience kümmerte, die mit uns auf Tour waren. Er ist nun auch unser Manager. Als es um unser neues Album 'A Perfect Solution' ging, haben wir uns entschieden, es erst einmal ohne ein Label zu schreiben und uns kurz vor der Fertigstellung umzuschauen, um ein Label mit der richtigen Einstellung, Erfahrung und den Fähigkeiten zu finden, um es zu promoten - da kam Stefan Herwig von Dependent ins Spiel. Wir kennen Stefan seit Jahren und auch seine Arbeit mit anderen Bands und was er in dieser Szene bewegt. Hayo hat uns mit ihm in Kontakt gebracht, wir hatten ein paar Meetings und uns gefiel, was wir hörten. Als Band haben wir all diese Versprechen und den ganzen Mist gehört, den Plattenfirmen dir erzählen, aber als wir mit Stefan sprachen, machte er einen bodenständigen Eindruck und war echt begeistert von unserem neuen Material."

Bei haufenweise gutem Material kann die Wahl der Single schon mal zur Qual werden und so gab die Band diese vertrauensvoll in fremde Hände, wie Rich erzählt: "Wir haben unserem Label und Management alle Songs geschickt und es ihnen überlassen, die Single auszuwählen. Das Lustige daran war, dass sie jeden Tag mit einem anderen Song ankamen, von dem sie dachten, dass er sich als Single eignen könnte. Das war für uns schon ein Kompliment, da sie dachten, dass alle Songs gut genug sind. Immer wieder war aber auch 'Only Better' dabei, daher blieb es dabei."

Gerade in Zeiten, in denen viele Labels aus Kostengründen von der Veröffentlichung einer Single oder EP absehen, muss man sich etwas einfallen lassen. Rich verrät über die Tracklist: "Die Single wird einen Radio- und Clubmix von Olaf Wollschläger enthalten, und Geoff, unser Live-Keyboarder, hat unter seinem Pseudonym Alien6 einen Clubmix gemacht. Es wird auch einen Kloq-Remix von 'Everything I Made' und eine B-Seite namens 'Shattered Glass' geben, also ein ganz schönes Paket!" Und gerade die B-Seiten von Mesh haben es bekanntermaßen in sich, so sind beispielsweise Songs wie "From This Height" oder "The Purest People" mit den Jahren zu echten Publikumslieblingen auf den Konzerten des Duos mutiert - ein echtes Mesh-Phänomen, das auch Rich mehr oder weniger ein Rätsel ist, wie er zugibt: "Wir haben keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht liegt es an der Einstellung, wenn wir diese Stücke schreiben. Ich denke, man hat eine etwas sorglosere Einstellung, weil man weiß dass es B-Seiten werden, und dann werden es Clubhits und Live-Klassiker - merkwürdig!" Apropos Live-Klassiker: Zu denen zählen eben "From This Height" oder auch "Confined" mit Sicherheit nicht zuletzt deswegen, weil die Band ihnen für ihre Konzerte durch veränderte Versionen einen dicken Extraschub Dynamik verpasste. Ein wenig wehmütig blickt Rich zurück: "Wenn wir live spielen, machen wir immer neue Versionen oder spielen sie anders, um sie interessanter zu machen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich, als ich klein war und auf Konzerte gegangen bin, total umgehauen war von den Songs, die anders als die Versionen auf dem Album waren, an die ich gewöhnt war. Das machte diese Konzerte so erinnerungswürdig. Darum versuchen auch wir, sie anders zu machen." Anders und - besser.

Julia Beyer, Zillo

zurück