Fünf Minuten mit ... Mesh

Die UK Elektrosäulen Mesh sind gerade dabei, ihr neues Album 'A Perfect Solution' zu veröffentlichen. Daher dachten wir, es wäre eine gute Zeit, sich das Telefon zu schnappen und mit Rich und Mark über die Inspirationen und Ideen hinter dem neuen Material sowie allgemein über die derzeitige britische Elektro und Industrial Szene zu plaudern.

Dieses neue Material ist ein wenig härter und gitarren-lastiger war dies ein gewollter Schritt?

Rich: Ich glaube nicht, dass wir uns je bewusst bemühten, uns in eine härtere Richtung zu bewegen. Ich meine, wir haben Gitarren immer gleich von Anfang an benutzt und sie wurden vielleicht verdeckt oder gefiltert, so dass sie nicht wie eine Gitarre klangen, aber ich habe immer schon die Unvollkommenheit der Drum-Loops und Gitarren gemocht, weil sie dir eine Art von Live-Feeling vermitteln. Ich glaube, je mehr du das live Element hervorheben kannst, um so rockiger klingt es dann. Ich denke, mit diesem Album ist unser Selbstvertrauen gewachsen, und wir fühlen uns wie eine richtige Band und aus diesem Grund haben wir echte Instrumente verwendet. Es klingt eindeutig härter, aber man spürt auch, dass es darunter noch wirklich elektronisch ist. Ich glaube, wir waren die ganze Synth-Pop Etikette einfach leid und so versuchten wir, die Dinge in eine mehr alternative Richtung voranzutreiben. Manchmal, wenn Mark mit einem Song vorbeikommt, wenn auch nur als Demoversion, spürst du die Angst in den Texten. Wir wollten nichts leichtes machen, so haben wir den mehr verzerrten Sound vorangetrieben. So kam's zustande.

Ihr Jungs seid offensichtlich eine der am meisten respektierten Elektro-Bands der Welt, aber wir würden gerne wissen, was ihr über die aktuelle britische Elektro- und Industrial-Szene denkt?

Rich: Ich glaube, im Augenblick tauchen eine Menge neuer interessanter Bands auf. Viele Leute haben vermutlich schon von Typen wie IAMX gehört. Das ist großartig! Ich denke, genau so funktioniert elektronische Musik, Leute machen lieber was innovatives als etwas zu kopieren. Mich langweilen all die Bands, die immer wieder diese Future-Pop Nummern versuchen. Es wirkt alles so recycled, mit diesen four-on-the-floor Drums und aus meiner Sicht gibt es mittlerweile genug davon. Irgendjemand muss jetzt etwas anders machen und wieder auf das Song Schreiben und das Produzieren von gut gemachtem Material zurückkommen. Wenn man alle IAMX Produktionen am Ende eines Tages wegnimmt, dann hat er ein paar wirklich gute Songs. Ich denke, das ist es, was solche Bands vorantreibt. Draußen gibt es einfach zu viele Leute, die diese EBM-Dance-Club Sache wirklich gut machen und mithalten können. Kloq, denke ich, ist auch eine tolle Band. Wir haben einen ihrer Mixe auf unserer Single. Er ist auf jeden Fall innovativ.

Glaubt ihr, dass die Elektro-Szene im Augenblick in einem guten Zustand ist?

Rich: Ja, ich denke, sie ist gut. Ich meine, wir spielen auf vielen Festivals in Europa und sie sind immer gut besucht. Aber ob wir ein leicht verzerrtes Bild bekommen, weil die europäische Szene so gut ist, weiß ich nicht. Jedoch, wie ich schon sagte, sehe ich das Problem darin, dass viele Bands genau dasselbe machen und die ganze Szene daher wahrscheinlich ein bisschen langweilig wird. Es braucht eine Art von Interesse und das Genre braucht eine Vorzeigeband, die die Branche aufhorchen lässt und sieht, dass es da noch Leben gibt. Ich glaube, dass es vor allem innerhalb der leichten Seite der Dinge eine Menge Bands gibt, die die 80er wieder lebendig werden lassen, wie Little Boots und La Roux und es überschwemmt gerade die Charts es sind nur 80er Sachen, aber auf einer coolen Art. Die Elektro-Szene ist einigermaßen gesund, aber wir brauchen jemanden, der kommt und etwas Originelles macht.

Könnt ihr uns die Inspiration hinter 'Only Better' und die Textzeile "Deine Lippen sind rissig und voller Blasen wie die Gesichter, die du zeichnest" erklären?

Mark: Das ist schwierig es ist fast wie ein Exorzismus und der Versuch, Dinge aus deinem Kopf zu bekommen, in dem du Sachen schreibst oder zeichnest. Genau diese Art von Dingen passierte, als ich gerade diesen Song schrieb. Er wurde vor langer Zeit geschrieben und war einer der ersten Tracks, die wir dafür schrieben und er geriet daher etwas in Vergessenheit. Wir begannen vor ca. zwei Jahren mit den Aufnahmen. Ich meine, der Song war der erste, den wir machten. Es war auch eine sehr schwierige Zeit für uns und wir wollten uns von dem weg bewegen, was wir zusammen mit Neil [Taylor, ehemaliger Keyboarder] taten und vieles kam dadurch heraus. Wir kämpften eine Weile und versuchten, ein anderes Gleichgewicht zu finden, denn obwohl fast immer nur Rich und ich im Studio waren, war es wie eine drei Wege Dynamik. Also gab es Texte aus dieser Zeit und wir versuchten, es wieder gerade zu biegen. Die Umstellung von drei auf zwei Personen war schon sehr hart. Alles war irgendwie unsicher und daher gab es auch dieses Gefühl von Optimismus während wir versuchten, alle Dinge loszuwerden, die wir vorher getan hatten. Das war also die Stimmung hinter diesem Song.

Könnt ihr erklären, ob es ein Hauptthema zum neuen Album 'A Perfect Solution' gibt? - Offensichtlich habt ihr euch immer auf sehr persönliche Ideen, Erfahrungen und Gefühle aus der Vergangenheit spezialisiert?

Mark: Ich glaube, es kommt einfach raus, wenn du es aus einer gewissen Distanz betrachtest, weißt du? Beim letzten Album 'We Collide' habe ich vermutlich versucht, mich von einer Menge Dinge wegzubewegen. Aber bei diesem Album habe ich gleich wieder die Ideen von Beziehungen und dem ganzen Zeug, der um mich herum passiert, aufgegriffen. Daher hat es sich wahrscheinlich eher darauf konzentriert, als auf mich persönlich. Das Thema steht auch im Einklang mit dem Artwork und es nimmt alles irgendwie Form an. Wir legen es wirklich nicht darauf an, irgendetwas zu machen, es kommt einfach so. Ich denke, als wir erst einmal den Titel hatten auf den wir kamen als wir noch nicht mal die Hälfte hatten, und was eher ungewöhnlich ist, schrieben wir einfach Zeug, um das zu unterstützen. Eigentlich machen wir das nicht so, und wir haben nicht wirklich die Titel für die Songs, selbst wenn wir sie gerade schreiben. Aber mir schwirrte dieser Titel im Kopf rum, während der letzten fünf Tracks, die ich schrieb, und dieser Titel entstand aus dem, was wir sowieso schon hatten. So setzte sich alles gut zusammen. Wir haben jetzt alles fertig; es passt gut zusammen und der Titel passt zu dem, was wir gerade tun.

Gibt es einen bestimmten Song auf der neuen Scheibe, der Mesh als eine Einheit zeigt, jetzt in 2009?

Mark: Es gibt ein paar Tracks, die uns in eine neue Richtung schieben. Es gibt normalerweise immer etwas Überschuss vom letzten Album und 'Only Better' ist beinahe wie eine Fortsetzung von 'My Hands Are Tied', wo wir akustische Drums und Gitarren zur Hilfe nahmen. Obwohl sich diese Lieder nicht wirklich in der Melodie ähneln, ähneln sie sich aber in der Art, wie wir Dinge schreiben. Es gibt einen neuen Track auf dem neuen Album mit dem Titel 'How Long?', das ist der derzeitige Arbeitstitel und es gibt eine Melodie mit dem Titel 'Want You', die eine jazzähnliche Nummer ist. Ich meine, es klingt nicht wirklich wie ein Jazz Stück, aber es hat halt das Tempo. Es ist eine Menge High-Tempo Zeugs drauf. Der letzte Song 'The Bitter End' gefällt mir immer besser. Wir haben ein paar Tracks, die uns in eine neue Richtung bringen und ein paar, die wie uns klingen, aber ich denke, dass es sich in eine Up-Tempo Richtung bewegt. Die ganze Stimmung des Albums ist sehr verschieden, und es ist beinahe wie 'The Point At Which It Falls Apart' - es ist eine ähnlich gute Atmosphäre drauf, aber es ist mehr Upbeat als alles, was wir bisher gemacht haben. Die Songs gefallen uns immer besser, um ehrlich zu sein. Es ist eine komische Situation. Wir haben hier alles aufgezeichnet und abgemischt, und dann ist Rich nach Deutschland geflogen, um dort mit einem Produzenten und Mixer zu arbeiten. Wenn ich mir jetzt die Sachen anhöre, die sie mir zuschicken, ist es so, als ob sie neu sind. Und um ehrlich zu sein, kamen viele Sachen, wo ich dachte, dass sie nicht so gut werden würden, so viel besser zurück, als wo wir daran zu arbeiten begannen. Alles klingt wirklich zusammengehörig, es ist schwierig, einen speziellen Track herauszupicken.

Zufällige Album Frage Wenn jeder von euch jemanden aussuchen könnte, mit dem ihr Abendessen gehen und das neue Album anhören könntet, wer würde das sein und warum?

Mark: Wahrscheinlich würde ich meinen Sohn aussuchen. Schon seltsam. Er ist zwar noch jung, liebt aber Musik und das neue Album kennt er noch nicht. Aber er ist ein großer Fan von mir, und ich finde das toll. Ich denke, er wäre sehr empfänglich dafür und wie es zusammengestellt wurde. Aber auch meine Schwester sie ist immer für diese Art Sachen empfänglich. Der Rest der Familie befasst sich nicht wirklich damit.

Rich: Ich würde einen Freund mit dem ich arbeite und der Kev heißt, wählen. Irgendwie respektiere ich seine Meinung, da er eine breite Palette an Musik hört. Ich respektiere seine Meinung sehr, wenn es um Sachen geht, die wir getan haben. Ich denke, er wäre eine gute Wahl. Ohne Mark kopieren zu wollen würde ich auch meine Schwester aussuchen, da sie sie immer ehrlich sagt, was sie denkt. Ich glaube, sie wäre eine sehr gute Kritikerin.

Zufällige Musik Frage Wenn ihr die Musik von irgendeinem Film (jeder kann sich einen aussuchen) rippen und ihn mit eurem Sound ersetzen dürftet, welchen Film würdet ihr auswählen und warum?

Rich: Es müsste etwas ganz düsteres sein; einer meiner Lieblingsfilme ist The Crow, einfach die ganze Atmosphäre des Films. Nicht unbedingt das Konzept, ich mag einfach die Art, wie er gefilmt wurde und die ganze Stimmung. Er inspiriert mich in der gleichen Weise wie unsere Musik es tut, und er nimmt dich ein Stück mit auf eine Reise.

Mark: Es würde nicht funktionieren, aber es wäre sicherlich sehr lustig. Ich mag Napoleon Dynamite. Es wäre ziemlich cool, wenn unsere Musik in der Disco Szene am Ende gespielt werden würde.

Ihr hattet immer eine große Leidenschaft für eure Heimatstadt Bristol. Hat Euch dieser Ort oder die Umgebungen während eurer Konzerte oder im allgemeinen jemals musikalisch beeinflusst?

Mark: Das macht vielleicht 50 % aus. Jeder schreibt eigentlich für sich, aber das hat sich in der letzter Zeit, seit wir nur zu zweit sind, ein bisschen geändert, aber nicht so massiv. Ich hole mir meine Ideen meistens von Freunden oder Familie oder von jemandem, von dem ich gehört habe oder kenne. Man kann sich in eine Lage versetzen und aus einer imaginären Perspektive schreiben und ich denke, das macht die andere Hälfte des Albums aus. Es ist fast, als ob man eine Geschichte schreibt. Es klappt nicht jeden Tag, aber an manchen Tagen könntest du stundenlang schreiben und es fließt nur so aus dir raus, aber du musst es komprimieren und das ist nicht immer einfach. Du hörst sehr selten was und wenn's dann passiert, dann sagst du: 'Ich schreibe jetzt darüber.' Für mich ist es normalerweise etwas, das sich in meinen Gedanken abspielt, und etwas, das schon eine lange Geschichte hat. Die andere Hälfte kann dann eine rein kreative Sache sein, mit der du dich auseinandersetzt und kreierst wenn das Gefühl da ist.

Wie denkt ihr, habt ihr euch als Mensch während eurer großen musikalischen Karriere entwickelt wir fragen, weil eure Musik eine Katharsis für andere zu sein scheint und wir wollen wissen, ob es für euch genauso war?

Mark: Ja, definitiv. Für uns ist sie das Herzstück unseres Lebens. Ich glaube nicht, dass wir ohne sie zurecht gekommen wären. Es ist eine seltsame Frage, die ihr da stellt. Für uns wäre es fast undenkbar, es nicht zu tun. Ich meine, Musik hat uns in die ganze Welt gebracht und sie gibt uns das Gefühl, dass etwas fehlt, wenn wir nicht spielen würden. Deshalb ist es ein merkwürdiges Gefühl. Das ist z. B. der Fall im Moment, da wir fast mit dem Schreiben fertig sind und wir mit der nächsten Sache weitermachen möchten, aber das ist zu viel. Es schwirrt uns einfach immer im Kopf herum, dass wir wieder mit dem Schreiben anfangen müssen. Ob es reinigend ist, das weiß ich nicht, aber wenn wir Live Material machen, mag ich es eigentlich nicht und dann wundere ich mich darüber, was ich machen würde, wenn ich nicht fähig wäre es zu tun. Es ist sehr befriedigend, eine Scheibe fertig zu stellen einen Song zu schreiben, und dann mischt du ihn ab, bringst ihn ins Studio mit und hörst ihn dir an es ist das Zentrum von allem, was wir tun. Wir haben es geschafft, Familie und die Arbeit unter einem Hut zu bringen. Es ist keine einfache Sache, wenn du noch andere Dinge am Laufen hast, deshalb müssen wir sie wirklich lieben. Wir sollten wohl irgendwo einchecken.

Zum Abschluss, was sind eure aufregendsten Pläne nach der Europa Tour, die im November endet? Entspannt ihr euch zu Weihnachten bevor ihr im nächsten Jahr an neuem Material arbeitet?

Mark: Nein, ich habe jetzt drei ziemlich scheußliche Monate vor mir. Ich muss all die Videos für das gesamte Live-Set machen. Wir müssen von der Pike anfangen. Wir haben ein neues Videosystem, das wir für die Bühne zusammengestellt haben und wir müssen so ziemlich alles von Grund auf machen und das ganze Equipment testen. Für mich fühlt es sich an, als ob ich ein neues Album schreibe. Und dann haben wir noch ein weiteres Projekt, das mit Musik zu tun hat; von dem werden wir euch bald berichten. Es ist stressig, denn wir können nur wenig entspannen, da wir einige Termine einzuhalten haben. Aber den meisten Stress haben wir schon überstanden.

Rich: Ja, es wird nicht einfach werden, ich meine, wenn wir eine Show machen, versuchen wir immer verschiedene Versionen der Songs oder programmieren sie in einer leicht anderen Art und Weise oder in einer anderen Richtung. Wir machen ein paar Danceteile am Ende einiger Tracks auf dieser Tour, das ist also mein Projekt. Wir spielen jetzt immer mehr live. Ich weiß, die meisten Elektrobands stehen bei einer Nummer da bloß rum und tun so als ob sie spielen, aber wir spielen wirklich. Ich muss also irgendwie die Musik vorprogrammieren, abzüglich all der Kleinigkeiten, die wir dann tatsächlich live spielen, das ist eine große Aufgabe und sie erfüllt mich mit Grauen. Die fertigen Teile gebe ich dann Mark und er kommt dann mit dem passenden Video dazu. Ich glaube, dass es wirklich gut wird und ich freue mich auf die Tour, aber ich freue mich noch mehr, wenn wir schon das meiste hinter uns haben.

Okay Jungs, bringt uns mal auf dem Laufenden. Ihr seid gerade im Studio. Was macht ihr dort?

Rich: Nun, Mark kommt gerade aus seinem zweiwöchigen Urlaub in Spanien und dies ist das erste Mal, dass wir uns treffen. Wir haben eine Menge Dinge, die wir durchgehen müssen. Gerade heute ist das Master Album eingetroffen, also müssen wir uns damit noch hinsetzen und versuchen, irgendwelche Fehler zu finden und sehr kreativ sein. Wir haben gerade jemanden, der das Artwork endgültig abschließt, und wir haben jemanden, der zurzeit Ideen ausarbeitet. Wir sind also sehr beschäftigt! Aber wir profitieren eine Menge von dem Stress und all dem Chaos.

Dom Smith, Soundsphere

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