Aufgrund der Veröffentlichung ihres neuen Albums "We Collide", das am 31. März 2006 erscheinen soll, hat Synthpop.fr "Mesh", das sind Mark Hockings, Neil Taylor und Richard Silverthorn, um ein Interview gebeten.

Wie definiert Ihr den Mesh Sound?

Mark: Eigentlich versuchen wir eine Definition, so weit es geht, zu vermeiden. Ich vermute, dass unsere Wurzeln tief in der elektronischen Musik stecken – dort holen wir uns unsere Inspiration her und aus diesem Grund haben wir angefangen, Musik zu machen. Aber unsere Einflüsse sind groß und decken alle Richtungen ab. Wir schreiben Songs mit Gefühl und Energie, die manchmal für die Masse, manchmal eben Underground sind. Unsere Lieder werden immer so geschrieben, dass sie ein ehrliches Spiegelbild über uns sind und was wir selbst gerne hören würden.

Rich: Ich denke, es sind in erster Linie die Songs, die die Gefühle der Menschen berühren, und die Musik ist dazu da, um die Stimmung oder die Atmosphäre zu verstärken. Über die Jahre haben wir unsere Produktionsfähigkeiten verbessert und unseren eigenen klaren Sound geformt. Wir verbringen eine Menge Zeit damit, den richtigen Sound für die Tracks zu sampeln und zu programmieren, aber der Song steht natürlich im Vordergrund. Er muss auf eigenen Füßen stehen, bevor wir es überhaupt in Betracht ziehen, die Musik zu programmieren. Ich lese Kritiken über andere Bands, wo Leute meinen "Sie klingen wie Mesh", was ein ganz tolles Kompliment ist, denn es besagt, dass wir unseren eigenen unverwechselbaren Sound haben.

Wie werden die Aufgaben innerhalb der Band unter Euch aufgeteilt?

Mark: Wir haben immer versucht, den Arbeitsaufwand innerhalb der Musik unter uns aufzuteilen, aber damit tauchen unweigerlich Rollen auf. Rich verbringt wahrscheinlich die meiste Zeit im Studio und ist für die meiste Programmierung auf "We Collide" verantwortlich. Er programmiert gerade außerdem sehr viel vom neuen Tourmaterial. Rich schreibt auch Musik und spielt Gitarre. Neil ist ebenfalls Programmierer und Schreiber. Er schießt alle Fotos und erstellt das Artwork für die Band – er macht ALLES! Er fertigt das komplette Tour Video Material und einige unserer Promotionvideos, wie die auf unserer Limited Edition Bonus DVD, an. Er kümmert sich auch um die Geschäfte von mesh, und wir sind ihm sehr dankbar dafür. Er lernt auch gerade die Bass Gitarre... also passt gut auf! Ich (Mark) bin Programmierer und Schreiber und Sänger. Ich schreibe die ganzen Texte für unsere Songs und einen Teil der Musik.

Warum hat es so lange gedauert, bis die Veröffentlichung des neuen Albums angekündigt wurde?

Mark: Wir haben uns irgendwie Zeit für dieses Album genommen, damit wir etwas Raum zum Atmen bekamen und die Dinge wieder zu schätzen wussten. Wir machen das schon eine lange Zeit und es war einfach mal Zeit für eine Pause, um ehrlich zu sein. Wir hatten auch ein paar Punkte mit der Plattenfirma zu klären oder besser gesagt, hatte die Plattenfirma ein paar Punkte, die sie geklärt haben wollte. Die Geschäftsprobleme sind jetzt gelöst und wir sind wieder frisch und bereit, uns nach vorne zu bewegen. Daher stehen die Dinge im Augenblick gut.

Es ist das erste Mal, dass Ihr mit einem Produzenten zusammen arbeitet. Was hat Gareth Jones mitgebracht? Ist es seinem Einfluss zu verdanken, dass der Anteil an Gitarren dieses Mal höher ist als auf den alten Alben?

Mark: Schon richtig, wir haben zwar mit einem Produzenten gearbeitet, aber dieses Mal war er nicht Produzent unseres Albums. Gareth war für das Abmischen für gerade Mal des halben Albums zuständig und er hat ein paar Vocal Sessions produziert. Diese Entscheidung haben wir erst sehr spät während des Prozesses getroffen und nachdem wir bereits "We Collide" komplett aufgenommen und produziert hatten. Es war großartig, mit ihm zu arbeiten und in unseren Augen ist er eine Legende – er gab einer Anzahl von Tracks ein ganz neues Gesicht. Über ihn können wir nur ein Loblied singen.

Rich: Gareths Name kam beim letzten Album zur Sprache und unsere Plattenfirma war total heiß drauf, mit ihm zu arbeiten, aber wir hatten unsere Bedenken. Wir wussten, dass er außergewöhnlich gut in dem war, was er tat, denn wir hatten seine gigantische Liste aller seiner Alben, an denen er gearbeitet hatte, gesehen. Aber aufgrund seiner engen Beziehung zu Depeche Mode waren wir unsicher, ob es überhaupt der richtige Schritt für uns war. Als sein Name dieses Mal zur Sprache kam, dachten wir, wir machen unsere Hausaufgaben besser und schauten nach, was er sonst noch alles gemacht hat. Während der Suche stellte sich heraus, dass er bereits mit einer Menge Bands und Musikrichtungen zu tun hatte. Er hatte auch gerade die Arbeiten an dem Embrace Album fertig gestellt, das in den UK Nummer 1 wurde. Wir trafen uns mit Gareth in London nach einer unserer Shows, um die Dinge zu besprechen und kamen dabei zu dem Entschluss, dass er genau der Richtige für diesen Job war. Es war eine tolle Erfahrung, mit ihm zu arbeiten. Er wusste genau, was wir mit dem Album zu erreichen versuchten. Im Januar kam er zu uns ins Studio und wir verbrachten eine anstrengende Woche mit Mixen. Es war klasse, dass man jemand von Außen hatte, der uns seine Meinung über das, was wir die letzten 18 Monate lang gemacht hatten, sagte. Gareth ist ein sehr genauer und schneller Arbeiter und hat ein gutes Gehör um die richtigen Elemente der Songs in den Vordergrund zu rücken. Obwohl er keinen musikalischen Input zu dem Album geliefert hat, erweckte die Art, wie er die Sounds auswog, manche Songs zum Leben. Wir haben sicherlich die richtige Entscheidung getroffen.
Was die Gitarren betrifft, mochten wir eigentlich immer den Sound und auch die Energie, die man aus der Gitarre bekommt und fühlten, dass er zu den Songs passte. Wir waren nie eine dieser reinen Elektronik Bands gewesen, wenn was gut klingt, benutzen wir es. Wir haben die Gitarren absichtlich so hoch von uns gemixt und Gareth freute sich sehr darüber, sie so zu lassen, denn im Herzen ist er irgendwie ein Rocker...

Welche Projekte stehen nach der Veröffentlichung Eures Albums an?

Mark: Nun, wir haben mit dem Aufzeichnen von Demos für das neue Album begonnen – wir würden gerne die lange Wartezeit, wie es bei unserem jetzigen Album der Fall ist, vermeiden. Außerdem glaube ich, dass es noch eine Menge zu tun gibt, um unsere Musik in all den anderen Ländern zu promoten, die uns noch nicht kennen (ich glaube, dass sind die meisten...). Es ist eigentlich schwierig, so weit im Voraus zu planen – die Dinge sind nie so vorhersehbar.

Ihr habt einige Remixe für andere Bands gemacht (Camouflage, De/Vision...), habt Ihr noch weitere Remixprojekte?

Mark: Wir haben Mixe für The Crüxshadows, Carolmasters, Thermostatic und für OBK aus Spanien gemacht. Einmal hatten wir uns überlegt, mehr davon zu machen, aber aus zeitlicher Sicht hat es einfach nicht geklappt. Ich schätze mal, wir würden mehr davon machen, wenn die richtigen Sachen kämen.

Plant Ihr eine Wiederveröffentlichung der "On This Tour Forever" auf DVD?

Mark: Ich weiß natürlich, dass darüber gesprochen wurde. Vielleicht ist es schon zu lange her, aber ich glaube, dass es sicherlich möglich sein könnte. Wir werden auf jeden Fall eine DVD der bevorstehenden Tour veröffentlichen und auch ein paar der anderen Dinge, die wir in den letzten Jahren gemacht haben. In der Zwischenzeit gibt es eine DVD mit der Limited Edition von "We Collide"... Hatte ich das erwähnt?...

Ihr tourt in erster Linie durch Deutschland. Wie nimmt man Euch eigentlich in England wahr?

Rich: Die Tour startet in und geht durch Deutschland, aber es werden später auch noch weitere Termine für andere Länder und Festivals bekannt gegeben. Großbritannien ist schon ein merkwürdiger Markt. Ich denke, das Problem steckt in der Szene selbst. Man sieht sie immer noch als "Dark oder Industrial" an und die Presse versteht nicht, dass es gar nicht mehr so ist. Es gibt sehr viele melodische und – darf ich es wagen, zu sagen – "kommerzielle" Bands in diesem Musikgenre, die den Durchbruch nicht schaffen.

Mark: Wir haben eine sehr große und sehr treue Fanbase in England, die auch weiterhin zu wachsen scheint, obwohl wir dort sehr wenig auftraten und der Umsatz in Großbritannien sehr gering ist. Ich vermute, dass dies alles durch das Internet möglich ist. Es sieht so aus, als ob wir endlich einen Absatz für das neue Material gefunden haben. Daher hoffe ich, dass diese Situation uns helfen wird, uns nach vorne zu bringen. Das wäre toll für uns – es ist schön, wenn man woanders so erfolgreich ist, aber es ist immer gut, wenn man auch zu Hause anerkannt wird.

Was für CDs hört Ihr im Augenblick?

Rich: Madonna - Confessions On A Dancefloor, Soulwax - Any Minute Now, Apoptygma Berzerk - You And Me Against The World, NIN - With Teeth.

Mark: K.T. Tunstall - Eye To The Telescope, Apoptygma Berzerk - You And Me Against The World, Kate Bush – Ariel, Chet Baker – Let’s Get Lost, Massive Attack – Live With Me (Single)

Kennt Ihr Euch auf der französischen Musikarena aus? Welche Bands? Wie definiert Ihr die französische Musikarena?

Mark: Wir wissen genauso wenig über die französische wie über die deutsche Musikszene. Abgesehen von dem, was wir lernen, wenn wir dort sind. Leider spielen die englischen Sender kaum was anderes als das von den eigenen englischen oder amerikanischen Künstlern. Das ist eine Form der musikalischen Ignoranz, denke ich, für die wir uns eigentlich ein bisschen schämen sollten.
Ich erinnere mich daran, gelesen zu haben, dass in den französischen Charts eine bestimmte Prozentzahl der Lieder in Französisch sein muss. Stimmt das oder ist es bloß ein Mythos?

Rich: Ermm... da fällt mir Daftpunk ein.

Seid Ihr jemals in Frankreich aufgetreten? Wo würdet Ihr gerne spielen?

Rich: Doch, wir haben vor ein paar Jahren mal in Frankreich gespielt, in La Locomotive mit Apoptygma. Es war eine tolle Nacht, haben es aber leider nicht geschafft, uns Paris anzusehen. Wir würden sehr gerne wieder kommen, um noch ein paar weitere Shows zu machen. Wir geben die Hoffnung nicht auf.

Warum trägt Mark immer eine Skimütze?

Mark: Ich habe eigentlich immer irgendwelche Hüte getragen, wenn ich mit der Band auftrat – ist wohl nun eine Marotte von mir, denke ich. Jetzt habe ich mir meine Haare komplett abrasiert, somit bleibt mein Kopf auch noch warm...

Rich: Um darunter Batterien zu verstecken. Er ist ein Androide.

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