Mesh haben uns schon in den 90ern stets begleitet und haben nun mit "We Collide" ein neues Meisterwerk abgeliefert, das nach Aussagen der Band Hits wie "My Defender", "Trust You", "It scares Me" und "Little Missile" in den Schatten stellt. Lest selbst, was Mark, Neil und Richard zu ihrem neuesten Baby zu sagen haben.

"We Collide" heisst Euer neues Album. Ist es Euer bestes?

Neil: Ja, natürlich. Das hofft wohl jeder Künstler, dass seine letzte Arbeit auch seine Beste ist. Wir drei sind sehr stolz auf die CD und es ist genau das Album geworden, das wir auch machen wollten. Es ist der Sound den wir hören wollten und es ist eine qualitative Steigerung, die wir wollten und mit "We Collide" auch erreicht haben.

Und wenn Euer nächstes Album veröffentlicht wird, wirst Du sagen, dass "We Collide" doch nicht so gut war, wie das jetzige...

Neil: (lacht) Ja, darauf kannst Du wetten... (lacht) Wir werden natürlich versuchen, immer besser zu werden und hoffen auch weiterhin, dass das letzte Album das beste sein wird, was wir machen. Niemand will ein Album machen, das schlechter ist, als das letzte, aber wir fühlen einfach, dass dieses Album das beste ist, was wir je gemacht haben.

In der Vergangenheit habt Ihr die Lyrics eher privaten Themen zugeordnet. "We Collide" ist eher politisch zu sehen. Ist das richtig?

Mark: Bei dieser Platte wollte ich etwas anderes machen. Ich wollte die persönlichen Erfahrungen einmal weg lassen und mich eher den Erfahrungen anderer und politischer Gegebenheiten widmen. Wobei es eigentlich nicht wirklich politisch zu sehen ist. Es ist mehr das Resultat der Politik, über das ich hier geschrieben habe. Es geht um Dinge, die ich gesehen habe, Leute die ich kenne und gibt viel weniger mein jetziges Leben wider, als das die Alben zuvor getan haben. Wir sehen uns nicht als eine politische Band. Es ist nur das Ergebnis einer Nachrichtensendung, die man sich in diesen Tagen ansieht oder etwas ähnliches. Es geht um Dinge, die in der Welt gerade jetzt passieren und es war uns wichtig, dass man auch das mal fokussiert.

Ist es denn dann eine Weiterführung dessen, was damals mit "People Like Me (With This Gun)" begann...?

Mark: Ja, vielleicht schon. Es geht darum, wie unsere Gesellschaft sich entwickelt und es soll als eine Art Bestandsaufnahme unserer Zeit aufgefasst werden.

Ihr habt mit dem berühmten Produzenten Gareth Jones zusammen gearbeitet, der einige Depeche Mode Alben produziert hat. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Neil: Sein Name wurde schon für das letzte Album "Who Watches Over Me?" gehandelt. Aber damals waren wir uns eben wegen seiner engen Bindung zu Depeche Mode nicht sicher, ob er der richtige für uns ist. Wir wissen, dass alle Leute ihn mit Depeche Mode verbinden und haben es damals dann gelassen. Als sein Name für dieses Album wieder fiel, haben wir uns mehr damit auseinander gesetzt und recherchiert, was Gareth Jones jetzt so macht. Dabei haben wir herausgefunden, dass er die verschiedensten Künstler und Musikstile produziert hat. Wir kannten seine Arbeit für die Futureheads und Embrace, die beide sehr hoch in den UK-Charts waren und nicht wirklich wie Depeche Mode klingen. Außerdem fanden wir seine Arbeit bei Interpol sehr interessant. Gareth arbeitet nur mit Künstlern zusammen, die auch wir sehr schätzen und nicht unbedingt aus dem Elektronik-Genre stammen. Also haben wir uns mit ihm getroffen und ihn kennengelernt. Er ist ein richtig cooler Typ und arbeitet einfach unglaublich gut. Wir haben ihm unsere Vorstellungen mitgeteilt und er hat sich genau an das gehalten, was wir besprochen hatten. Er hat uns sehr dabei geholfen, neue Melodien zu entwickeln und hat jederzeit genau das fokussiert, was uns wichtig war. Er ist wirklich toll und wir sind sehr froh, dass wir uns nun doch für ihn entschieden haben und würden es auch jederzeit wieder tun.

Gareth hat den typischen Mesh Sound nicht verändert, aber bei "Room With A View" erinnert das Atmen sehr stark an "I Want You Now" von Depeche Mode... hört Ihr das auch?

Neil: Nein, das haben wir noch gar nicht bemerkt. Das Atmen stammt aber auch vom Demo, das Mark ganz alleine komponiert hat. Wir wollten das Atmen sogar noch verstärkt in die Melodie mit einbinden, aber haben es dann doch nicht getan, umso besser, wie ich nun finde. Also, es war eher etwas, was wir selbst gemacht haben und was nicht von Gareth kam. Wir haben das Album fertiggestellt, und dann kam er zu uns ins Studio nach Bristol und hat es gemixt.

Hat Gareth Euch auch bei den Vocals zur Seite gestanden?

Mark: Wir haben erst mal alle Vocals in unserem Studio in Bristol aufgenommen. Danach bin ich dann mit Gareth nach London gegangen, um einige Tracks neu aufzunehmen. Er meinte, dass man die Vocals bei einigen Songs noch viel besser hinkriegen könnte. Wir haben dann drei oder vier Songs neu eingesungen. Letztendlich haben wir dann aber eine Mixtur aus den Vocals aus Bristol und denen aus London aufs Album gepackt. Gareth ist einfach so gut in dem, was er tut und außerdem ist er ein Außenstehender, der die Dinge mit anderen Ohren hört, als wir drei. Es war sehr hilfreich die Vocals dann im Vergleich zu hören, so konnten wir und er die besten Parts auswählen, um das bestmögliche Ergebnis für "We Collide" zu erzielen.

Habt Ihr eigentlich in der Vergangenheit schon mal mit einem Produzenten zusammen gearbeitet?

Mark: Mhm, wir haben damit mal herumexperimentiert. Für das letzte Album haben wir einige Produzenten ausprobiert, aber wir waren mit den Ergebnissen ganz und gar nicht zufrieden. Deshalb haben wir es für dieses Album dann auch ganz sein gelassen, weil wir nur etwas veröffentlichen wollen, womit wir alle drei glücklich sind. Mit der Arbeit von Gareth Jones können wir uns auf ganzer Linie identifizieren. Die meisten Produzenten sehen ihre Arbeit als Job, doch das reicht uns nicht. Für uns ist es mehr, als nur ein Job. Wir wollen nicht, dass unsere Musik produziert wird, wie an einem Fliessband. Wir wollen hören, was wir im Kopf haben und das ist oft nicht das, was ein Produzent im Kopf hat. Wir wollen das beste aus uns herausholen. Es ist ein artistischer Prozess, der in uns abläuft und bis zu Gareth haben Außenstehende diesen Prozess immer nur gestört.

Der Pressetext zu Eurem Album zielt darauf ab, dass der Song "This Is What You Wanted" für die Fans geschrieben sei... Wieviel von Eurer Musik ist tatsächlich für die Fans?

Mark: Wir schreiben unsere Songs nicht für die Fans, sondern nur für uns selbst. Wenn uns jemand folgt, dann bitte nur, weil er die Songs mag, die für uns selbst geschrieben werden. Wir können ja selbst nur etwas veröffentlichen, was wir selbst mögen, und können da niemanden mit in die Verantwortung nehmen. Die Leute können nur das mögen, was wir mögen, und die Vergangenheit hat ja auch bewiesen, dass einiges was wir mögen auch bei vielen da draussen ankommt. Wenn Du versuchst, einen Song für eine bestimmte Personengruppe zu schreiben, wirst Du keinen Erfolg damit haben. Wenn Du einen Song geschrieben hast und ihn dann im Studio bearbeitest, musst Du Dich mit ihm identifizieren können, um ihn weiter nach vorne zu bringen. Wir denken also nicht wirklich daran, was andere über unsere Musik denken.

Der Industrial Einfluss von Bands wie Nine Inch Nails oder Skinny Puppy war immer Bestandteil Eurer Alben und ist auch auf dem aktuellen Longplayer noch zu hören, aber er rückt mehr in den Hintergrund. So hört sich Mesh viel eher nach einer Pop-Band an, wie seht Ihr das?

Neil: Es gibt viele Einflüsse um uns herum, die wir nicht wegwischen können. Ebenso hört man wohl die Wurzeln, aus denen wir entsprungen sind. Früher haben wir, wie Du richtig bemerkt hast, eher härtere Sounds und Songs bevorzugt. Wir haben viel mit zerstörten Loops und so gearbeitet. Diese Elemente sind immer noch Teil eines jeden Songs, doch stehen sie viel weiter im Hintergrund, als das damals der Fall war. Wir mögen aber diese Kombination aus dreckigen und klaren Sounds so sehr, dass wir uns niemals von ihr trennen würden. Diesmal haben wir uns aber entschieden, diese etwas in den Hintergrund dringen zu lassen. Das gibt den Songs Tiefe und dennoch klingen sie klar. Wir mussten unseren Sound ein wenig verändern, weil wir nicht immer den gleichen Sound produzieren wollen. Das, was Du jetzt auf "We Collide" hörst ist das, was wir machen wollen und es hört sich immer noch nach Mesh an.

Der Song "Can You Mend Hearts" handelt von einem Doppelmörder, der zwei Kinder ermordet hat. Glaubst Du, dass ein solcher Mensch etwas mit dem Begriff "Herzlich" anfangen kann?

Mark: Ich weiss es nicht. Diese Leute stehen defintiv auf einer anderen Stufe als ich. Ich kann mir nicht vorstellen, was in einem Kopf von einem Mörder vorgehen muss, wenn er eines anderen Menschen Leben nimmt. Ich habe ein Interview im Fernsehen gesehen, wo der Polizist, der die Kinder gefunden hatte, gefragt wurde, ob er sich vorstellen könnte, was in dem Mörder vorgeht. Das ganze ging durch die ganze englische Presse und hat mich sehr bewegt.

...to be continued...

Micha L. Spenst, Synthetics

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