Kurz vor Ihrem Auftritt in der Kölner Live Music Hall trafen wir die drei Bandmitglieder Mark Hockings, Neil Taylor und Richard Silverthorn von MESH und freuten uns auf gemütliche 20 Interview-Minuten.

Ihr habt gerade noch einen Instore-Gig im Kölner Saturn gespielt. Wie war das?

Neil: Ist leider ausgefallen. Wirklich schade, da wir so was noch nie gemacht haben. Aber Morgen in Hamburg werden wir es dann auf jeden Fall machen.

Richard: Wir freuen uns schon total drauf. Ist auf jeden Fall mal etwas anderes.

Neil: Die Idee kam von unserer Plattenfirma, und wir fanden's einfach witzig.

Ihr nennt Eure Musik "electronic mainstream crossover". Klingt ziemlich originell und einzigartig. Was unterscheidet Euch in erster Linie von Rockbands?

Neil: Auch das kam von unserer Plattenfirma. Wir haben uns diese Beschreibung jedenfalls nicht ausgedacht.

Richard: Letztendlich haben wir schon immer elektronische Musik gemacht. Von daher musste natürlich "electronic" in der Musikbeschreibung vorkommen.

Woher stammt der Bandname "MESH"?

Richard: Da gibt es eigentlich gar keine Story zu erzählen. Das kam einfach so.

Neil: Wir haben einen Bandnamen gesucht. Mark hat dann irgendwann "MESH" gesagt, und das fanden wir dann alle cool. Das war's eigentlich auch schon.

Mark: Wir gehören also auch zu den Bands, die ne Menge Stress mit der Namensgebung hatten (lacht). Das war 1992.

Wie kam es, dass Ihr zuerst auf dem schwedischen Label "Memento Materia" veröffentlicht wurdet?

Richard: Also eigentlich gab es die erste Veröffentlichung schon in England. Und zwar kam dort unsere EP "Fragile" zuerst auf den Markt.

Mark: Wir haben dann ein Tape unserem Tourpromoter gegeben, der das dann nach Schweden weitergeleitet hat. Dort hat das einigen Leuten gut gefallen, und schon hatten wir unsere ersten Gigs dort.

Neil: Im Nachhinein war das schon sehr komisch. Wir haben vor 50 Leuten in Schweden gespielt. Gelohnt hat sich das eigentlich nicht. Aber egal, wir haben unsere Erfahrungen gemacht.

Wie lange habt Ihr am aktuellen Album "We Collide" gearbeitet? Wo wurde es aufgenommen?

Mark: Wir haben ein eigenes Studio. Insgesamt haben wir ca. 2 Jahre an dem Album gearbeitet. Wir sind keine Band, die auf Tour schon das nächste Album schreibt. Wir brauchen dafür unsere Ruhe. Und die haben wir in unserem Studio. Ist auch viel relaxter.

Neil: Wir haben das meiste auch selber gemacht und vor allem entschieden. Unabhängig von der Musik haben wir auch das Artwork erstellt.

Interessieren Euch die Presse-Kritiken?

Richard: Also ich lese sie... muss ich zugeben. Und es nervt mich auch immer noch, wenn ich so schwachsinnige Kritiken lese, die wirklich nicht fundiert sind. Man muss unsere Musik ja nicht unbedingt mögen, aber objektiv sollte die Kritik schon noch sein.

Mark: Wir sind da aber viel entspannter geworden. (lacht und schaut in die Runde)

Wie reagiert Ihr darauf, wenn Ihr oft mit Depeche Mode verglichen werdet?

Mark: Auch da sind wir ziemlich entspannt. Wir haben "We Collide" mit dem Ex-Depeche Mode Produzenten Gareth Jones produziert. Ursprünglich hatten wir natürlich Vorbehalte. Wir haben uns dann aber informiert, mit welchen Künstlern er schon gearbeitet hat. Und da war uns klar, dass er einfach sehr gut zu uns passen könnte. Und so war es dann auch.

Neil: Auch er war froh, einmal Abstand zu Depeche Mode zu gewinnen und andere Erfahrungen zu sammeln.

Richard: Wenn Du uns aber fragst, ob wir Depeche Mode mögen: KLAR! Uns gefällt Ihre Musik auf jeden Fall. Wir sind, wie so viele, auch mit Ihnen aufgewachsen.

Wie sind Eure Erfahrungen in Deutschland? Ist das Publikum hier anders als beispielsweise in England?

Mark: Wir sind jedes Mal begeistert, wenn wir in Deutschland unterwegs sind. Das Publikum ist sehr dankbar und irgendwie... emotional!

Neil: Ja, genau. In England sind die Leute oft sehr kühl und emotionslos. In Deutschland geht das Publikum richtig ab und zeigt uns seine Gefühle. Das ist toll.

Werdet Ihr im Sommer auch auf deutschen Festivals zu Gast sein?

Mark: Das ist noch nicht ganz klar, soweit ich weiss.

Neil: Auf jeden Fall sind wir in Skandinavien auf ein paar Festivals.

Richard: Wir spielen super gerne Festivals. Von daher wäre es schon sehr schön, wenn wir einige spielen würden. Aber das wird sicher in den nächsten zwei bis drei Wochen konkreter.

Gibt es feste Rollen bei MESH?

Neil: Klar, die gibt's schon. Früher mussten wir ja auch so ziemlich alles selber machen. Und heute machen wir neben der Musik auch noch viel selbst. Ich z. B. bin für Fotos, Artwork und ein wenig für die Homepage zuständig.

Mark: Auf Tour sind wir z. B. eh eine riesige Familie, die sich alle Jobs teilt. Wir schreiben z. B. auch ein Online-Tour-Tagebuch.

Wie funktioniert bei Euch das Songwriting?

Mark: Also ich schreibe in erster Linie die Songs. Und meistens schreibe ich die Songs alleine mit meiner Gitarre und ein paar Textfetzen zu Beginn. Auch, wenn wir stark elektronische Musik machen, schreibe ich zuerst auf der Akustikgitarre.

Neil: Danach kommt Mark damit zu einer Probe ins Studio und wir arbeiten anschließend zusammen an Arrangements. Das klappt sehr gut.

Welche Bands hört Ihr derzeit privat gerne? Kennt Ihr deutsche Bands?

Neil: Also ich finde z. B. das neue "Madonna" Album total geil. Oder auch die englische Band "Snow Patrol". Aber ich glaube, die kennt ihr hier in Deutschland nicht (lacht).

Mark: Ich höre derzeit sehr gerne "Soulwax" aus Belgien. Oder auch die aktuelle "Morissey"-Platte.

Wie intensiv nutzt Ihr das Internet?

Mark: Sehr intensiv! Wir haben beispielsweise seit 11 Jahren eine Homepage und waren somit eine der ersten Bands. Ich habe früher auch in der Branche gearbeitet und mein Geld verdient.

Richard: Wir sind auch auf Tour immer wireless LAN mässig unterwegs. Doch, das Netz ist unser zweites zu Hause, kann man sagen.

Haltet Ihr Euch öfter auf Eurer Homepage auf? Haltet Ihr persönlichen Kontakt dort zu den Fans?

Mark: Auf jeden Fall. Wir versuchen regelmäßig, mit den Fans im Kontakt zu sein. Es gibt einen deutschen Fan und Freund, der z. B. die deutsche Fan-Seite erstellt hat und auch pflegt. Da haben sich richtig gute Freundschaften entwickelt.

Neil: Neuerdings sind wir auch auf myspace.com vertreten. Auch über solche Portale versuchen wir, Kontakt zu den Leuten zu halten.

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