Zuerst einmal vielen Dank, daß Ihr Euch die Zeit für ein Gespräch nehmt.

Mark + Neil: Gerne.

Wie seid Ihr zur Musik gekommen? Wie habt Ihr Eure Liebe zur Musik entdeckt?

Neil: Ich habe zu Punkzeiten angefangen, mich für Musik zu interessieren. So um 1976/77 herum. The Clash und andere haben mich zu der Zeit begeistert. Dann kam die elektronische Musik mit Depeche Mode, OMD, Gary Numan und ich fing an, selber ein wenig Keyboard zu spielen. Und die Sounds haben mich einfach begeistert.

Mark: Ich habe mehr die 50ger gemocht. Wie Elvis zum Beispiel. Fats Domino. Das waren die Sachen die ich zuerst mochte, als ich anfing Musik zu beachten.

Das kommt vermutlich auch noch ein bißchen durch, nicht? Auf der DVD (der Limited Edition von "We Collide") kann man sehen, wie Du anfängst einen Song zu komponieren. Das erinnert mich jetzt sehr daran.

Mark: Ja. Ich mag ältere Sachen. Es waren einfach schöne Melodien. Einfach aber eingängig. Ich habe dann im Sommer gearbeitet, um mir ein Keyboard zu kaufen, weil ich dachte ich könnte damit umgehen. War nicht ganz so einfach, wie ich dachte... Dann habe ich mir über vier Jahre eine Drummachine von einem Freund geborgt, die er sich ohne jeden Grund gekauft hatte.
Und dann war da dieses Poster von Rich's Band in der Kantine, wo ich arbeitete und ich ging hin, um Rich zu sehen. Später sang ich einen Song und spielte Keyboard bei ihm. Wir bauten uns ein Studio auf und suchten nach einem Sänger...

Neil: Wir haben auch einen gefunden!

Habt Ihr je damit gerechnet, daß mesh so bekannt werden würden?

Neil: Ich würde sagen: Nein. Natürlich hofft man es...

Ich erinnere mich: Anfang der 90er, als Ihr gerade "In This Place Forever" veröffentlicht hattet, habt Ihr es Euch vermutlich noch nicht mal vorstellen können.

Neil + Mark: Ja, das stimmt.

Ihr seid jetzt wieder auf Tour. Wie sind Eure Gefühle, die Reaktionen von den Fans und sind Eure Erwartungen erfüllt?

Mark: Wirklich gut. Wir haben an Orten gespielt, wo wir bisher nicht viel gemacht haben, wie die Schweiz und Österreich. Aber die Reaktionen waren überall richtig gut. Köln gestern Abend war das größte bisher.

Neil: Natürlich hofft man, jeden Club voll zu bekommen. Aber es war großartig, sehr beruhigend.

Ich hoffe natürlich das Beste für heute abend. Ihr habt Eure Bühnenshow verändert und auch Euer Set. So findet man viel mehr Gitarreneinsatz und sogar einen Drummer bei Euch. Es fehlen aber mit "Trust You" und "You Didn't Want Me" zwei sehr bekannte Songs.

Mark: Wir haben die Entscheidung getroffen, soviel wie möglich vom neuen Album zu spielen. Wir haben auch mit ein paar anderen Sachen gespielt. Wir haben die Songs bei wirklich jedem Auftritt gespielt...

Haben sie Euch gelangweilt?

Neil: Ja, ein wenig. Vielleicht auch weil sie uns sehr früh begleitet haben, eine lange Zeit also. Auch weil wir bis zu dieser Tour nichts vom neuen Album gespielt haben. Also hast du viele neue Songs, starke Songs und andere müssen dann weichen.

Mark: Wir wollen auch nicht zu lange spielen. Nicht zweieinhalb Stunden lang.

Neil: Wir haben neue Versionen von ein paar älteren Songs, die ziemlich gut sind, und insgesamt scheint es bisher gut zu klappen, mit z.B. "Crash" und "From This Height".

Ihr seid besonders für Eure speziellen Live-Versionen Eurer Songs bekannt. Beispiele sind z.B. die Versionen von "Confined" auf der WWOM-Tour oder auf dieser Tour von "From This Height". Ich fand es immer sehr schade, daß diese Versionen nur live zu hören waren.

Mark: Man lernt sehr viel, wenn man live spielt, was funktioniert. Und manchmal hat es nicht diese Wirkung, wenn man es auf eine Platte packt. Aber wir denken darüber nach, nachdem wir es gemacht haben. Es passiert nicht, während wir den Song schreiben.

Habt Ihr denn mal darüber nachgedacht, es noch auf Platte herauszubringen?

Neil: In letzter Zeit vielleicht. Aber es war nicht geplant. Es sollte etwas Besonderes sein. Denn wir haben uns immer daran erinnert, wenn wir Bands gesehen haben, wenn sie unterschiedliche Versionen gespielt haben.

Das unterscheidet Euch natürlich sehr von vielen anderen Bands, denn oft hört man exakt die gleichen Versionen wie auf CD.

Mark: Für die Tour haben wir auch alle Songs neu programmiert.

Es lag eine lange Zeit zwischen der Veröffentlichung von WWOM und "We Collide". Lag es nur daran, daß Ihr auch eine Auszeit brauchtet, berufstätig seid und Familien habt oder gab es da auch noch 'politische' Komponenten durch den Labelwechsel? Denn das Album war ja wohl schon länger fertig, wenn ich richtig informiert bin?

Mark: wir haben uns Zeit genommen.

Neil: Der Grund dafür, daß wir uns ausgeruht haben war, daß wir es teilweise ein wenig nötig hatten. Und durch den Labelwechsel, die Unsicherheit, hatten wir auch nicht wirklich eine Deadline auf die wir hinarbeiten mußten. Es war immer unsicher, wann es herauskommen würde. Es gab keinen Termin zu dem es fertig sein mußte.

Jetzt nach der Veröffentlichung: Hat es Eure Erwartungen erfüllt? Immerhin habt Ihr es in die Deutschen Charts geschafft - zumindest für eine Woche.

Mark: Die Resonanz war großartig. Wir produzieren, was wir wollen. Es sieht toll aus, es hört sich toll an. Es ist wirklich das, was wir machen wollten. Daraus ziehen wir schon sehr viel. Was das Verkaufen der Platten angeht, müssen wir uns auf Andere verlassen.

Habt Ihr Euch je überlegt, Tolerance Records wiederzubeleben?

Mark: Das tun wir jede Nacht. (lacht)

Neil: Ja! (lacht)

Wirklich?

Neil: Nicht ernsthaft.

Mark: Die Plattenfirma steckt viel Geld und Zeit rein. Und wir haben jetzt schon zuviel zu tun.

Das heißt, Tolerance war nur aktuell, solange es noch von Euch dreien zu managen war?

Neil: Ja. Ganz am Anfang war es eine Möglichkeit, unsere Sachen herauszubringen. Und für die "Originals 91-93" haben wir es dann noch einmal wiederbelebt. Das war altes Material, was uns gehörte, also konnten wir damit auch machen, was wir wollten. Es war eine leichte Sache am Anfang, aber jetzt wo alles viel größer geworden ist, brauchst du mehr Struktur. Es ist nicht so leicht.

Mir ist aufgefallen, daß "We Collide" musikalisch sehr nahe an den "Originals 91-93" ist. Die EP, die Euch letztlich bekannt gemacht hat, "Fragile", sticht da eher aus Euren Veröffentlichungen hervor.

Mark: Das stimmt. "Fragile" ist sehr viel eckiger.

Die Limited Edition von "We Collide" wird nur in Deutschland veröffentlicht. Gibt es Gründe dafür?

Neil: Das Label hat das entschieden. Natürlich ist das auch ein bißchen schade... In Schweden gibt es auch noch eine unterschiedliche Version. Die schwedische Version hat noch die "Crash"-Single als Extra dabei.

Habt Ihr von allen Alben einen Lieblingssong?

Mark: Das wären verschiedene...

Neil: Mein Favorit ist "Soul" - eine B-Seite von "Crash".

Mark: "Can You Mend Hearts" ist mein Favorit im Moment. "Four Walls" auch.

Vielleicht auch "Friends Like These"? Was verbindet Ihr mit diesem Song?

Neil: Es ist großartig für die Liveauftritte.

Mark: Es hängen viele Erinnerungen daran. Es war eine Single. Wir haben ein Video dazu gemacht. Es gibt so viele Assoziationen, daß man teilweise vergisst, weswegen man den Song ursprünglich geschrieben hat. Ich mag es, ihn live zu spielen. Wir schaffen eine besondere Verbindung zu den Menschen, wenn wir ihn spielen. Das mag ich.

Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft aus, habt Ihr schon mit Arbeiten für ein neues Album angefangen?

Mark: Ja, wir haben schon angefangen. Wir haben 2, vielleicht auch 3 Songs soweit fertig.

Werdet Ihr Euch wieder so viel Zeit lassen?

Mark: Wir werden uns Zeit lassen.

Neil: Aber nicht so viel Zeit.

Mark: Jetzt haben wir ein verläßliches Label und wissen wir können die Platte mit ihnen machen. Also hoffen wir, daß das nächste Album ein bißchen schneller kommen wird. Wir haben sehr viel gelernt. Wir haben gelernt, daß wir 90% der Arbeit selbst machen können. Die Qualität ist gut - wenn nicht sogar besser als die letzte Veröffentlichung.

Für mich hörte es sich am Anfang sehr glatt und poliert an. Aber nach mehrmaligem Hören wuchsen die Songs immer mehr. Und ich mußte sie einfach wieder und immer wieder hören.

Mark + Neil: Richtig so!

Neil: Das ist ein gutes Zeichen.

Am Anfang war ich ein bißchen enttäuscht, muß ich zugeben. Denn ein Album wie z.B. "The Point At Which It Falls Apart", das ein bißchen rauher daherkommt, hat mich von Anfang an für sich einnehmen können. Aber inzwischen denke ich, "We Collide" ist Euer stärkstes Album bisher. Mit wem möchtet Ihr zukünftig zusammenarbeiten. Irgendwelche Kandidaten?

Mark: Um ehrlich zu sein, wissen wir es nicht...

Neil: ...miteinander...

Mark: Mit Gareth [Jones], um ehrlich zu sein. Wir haben seine Arbeit geschätzt. Aber man kann es nicht wissen - er könnte es gar nicht wollen. Wir sind noch nicht sicher.

Neil: Wir werden sehen müssen, wie die Songs funktionieren.

Dürfen wir auch den verstärkten Einsatz echter Drums erwarten?

Neil: Wir haben schon lange mit richtigen Drumsounds gearbeitet. Das war einer der Gründe, weshalb es leicht war, jetzt mit einem Livedrummer zu arbeiten. Die Möglichkeit besteht. Aber wir haben diesen Punkt in der Songentwicklung noch nicht erreicht. Wir haben ein paar Demos. Es könnte für ein paar Songs die Möglichkeit bestehen.

Habt Ihr Pläne, das Live-Video ["On This Tour Forever"] als DVD zu veröffentlichen oder eine Live-DVD dieser Tour zu machen?

Neil: Ja, die Leute fragen danach. Technisch wäre das natürlich möglich. Wir waren nur nicht sicher, ob auch die Nachfrage danach besteht. Denn es ist kostspielig und kompliziert, weil es auch die alten Labels betrifft. Es ist also nicht so einfach, es nur auf DVD zu pressen. Ich denke, nach der Tour setzen wir uns hin und erörtern die Vorschläge, die die Leute gemacht haben und schauen, was möglich ist.

Irgendwelche Pläne für eine weitere Tour in diesem Jahr?

Neil: Vielleicht später dieses Jahr. Es ist noch sehr früh etwas zu sagen. Es ist viel im Gespräch: Festivals und so. Wir kommen am Montag von dieser Tour nach England zurück und am Samstag gehen wir schon wieder nach Griechenland und spielen da eine Show. Mitte Juni haben wir dann die Auftritte in England und wir werden sicher auf ein paar deutschen Festivals spielen. Es ist genug, was uns auslasten wird.

Eure Wünsche für die Zukunft?

Neil: Zufriedenheit...

Mark: Weltfrieden! (macht das Friedenszeichen und grinst). Das hier! Ich möchte das hier immer weitermachen können. Ich möchte genug Geld haben, um es tun zu können. Es ohne finanziellen Druck zu schaffen, daß es funktioniert.

Neil: Ich denke, wir wünschen uns alle Zufriedenheit. Wenn man älter wird merkt man, daß es um Menschen geht. Darum, Dinge zu genießen und nicht um materielle Dinge. Aber ja, in der Lage zu sein, das hier weiterzumachen, wie Mark sagte, genug Geld zu haben, um es machen zu können. Es weiter zu genießen, weiter etwas zu machen, was die Leute mögen. Es ist toll, dieses Feedback zu bekommen, Leute bei den Shows zu sehen. Wir fühlen uns, als wären wir sehr lange weg gewesen.

Florian, Medienkonverter

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