We know that MESH is coming...

Lange haben die Fans auf neue Ohrwürmer der britischen Band aus Bristol mit den wunderschönen Melodien, die dem Synthie-Pop eine neue Facette gaben, und der fulminanten Stimme von Mark Hockings, die unbeschreiblich einfühlsam und ergreifend, tiefgründige Texte hervorbringt, gewartet. Das Warten hat im März ein Ende, denn Neil Taylor, Richard Silverthorn und Mark Hockings stehen mit "We Collide" in den Startlöchern, um sich erneut in unseren Gehörgängen einzunisten und sie nicht mehr los zu lassen. Was einmal mit dem immer noch zahlreich bemühten Clubhit "You Didnít Want Me" begann, erhält nun endlich eine Fortsetzung. Gothic hat sich bei Mark und Rich über das neue Album informiert.

Glückwunsch zur neuen Veröffentlichung "We Collide". Sie ist Euch wirklich hervorragend gelungen und macht Lust auf mehr von MESH. Wer kollidiert eigentlich auf der CD?

Mark: Das Album handelt davon, wie Menschen und Situationen zusammen kommen, wie sie sich fügen und über das, was passiert, wenn solche Treffen spektakulär, ungewöhnlich oder sogar brutal werden. Das Album ist weniger eine Sammlung von autobiografischen Erlebnissen oder Liebesliedern, als vielmehr die Bezeugung von ganz normalen und besonderen Ereignissen, die wir erlebt haben, wir gesehen haben oder von denen wir nur hörten. Menschen treffen sich und manche davon kollidieren, WIR kollidieren.

Lange haben die Fans auf neues Material von Euch warten müssen, doch auch für Euch war die Zeit bis zum heutigen Tag lang. Wie fühlt Ihr Euch heute?

Rich: Ich empfinde ein seltsames Gemisch aus Aufregung und Sorge. Wir sind zuversichtlich und eigentlich recht sicher, dass wir ein gutes Album geschaffen haben. Doch das Warten auf Rezensionen in Magazinen und vor allem auf die Meinungen der Fans spannt uns doch mächtig auf die Folter.

Mark: Ich bin nervös und erleichtert, um ehrlich zu sein. Nervös bin ich, weil es schon so lange her ist, seitdem wir eine Platte von uns beworben haben. Dabei ist immer auch ein bisschen Angst mit von der Partie. Es ist schwierig, die Platte aus dem "Stadium" zu befördern, das du durchleben musstest, als du sie machtest. Dieser Prozess kann vom Zeitpunkt, als du noch allen sagen wolltest, wie gut das neue Material ist bis heute, auf eine gewisse Weise deine Einstellung zur CD verfärben. Glücklicherweise hat es so lange gebraucht, dieses Album fertig zu stellen, so dass wir das Meiste von all den Gedanken am Beginn der Entstehung vergessen haben. Erleichtert bin ich, weil es endlich vollbracht ist und die Platte nun bald in den Läden stehen wird.

Wir haben gehört, dass Ihr während dieser Zeit auch ein paar Probleme auf Seiten des Labels zu beklagen hattet. Was ist passiert?

Rich: Es waren eigentlich nicht wirklich Probleme mit der Plattenfirma, sondern eher Probleme mit dem Wechsel des Labels. Die Partnerschaft mit HomeRecords ging zu Ende. Sascha und Bianka Habermann von HomeRecords haben mit Udo Lange eine neue Plattenfirma gegründet (Anmerkung der Redaktion: Königskinder Schallplatten GmbH) und diese Dinge haben eben viel Zeit beansprucht! Doch diesmal hat es eben definitiv mehr Zeit gedauert, die neuen Songs zu schreiben und aufzunehmen, weil sich manch einer von uns auch mal eine Auszeit genommen hatte, um die eigenen Batterien aufzutanken. Wir haben also nie aufgehört, Musik zu schreiben, doch die Umstände brachten es eben mit sich, dass der ganze Prozess eben etwas länger dauerte, als von uns gewohnt.

Ihr habt nun ein neues Zuhause bei Königskinder Schallplatten gefunden, von denen zumindest ich zuvor noch nichts gehört hatte. Jetzt weiß ich auch warum. Wurde das Label extra für MESH gegründet?

Nein, wir sind nicht die einzige Band bei dieser Plattenfirma, was sicher sehr klasse wäre. Doch ich befürchte, wir alle könnten nicht unbedingt nur mit uns als Band davon leben. Dafür verkaufen wir einfach nicht genug Platten. Wir fühlen uns sehr wohl bei Königskinder Schallplatten und uns verbindet eine wirklich gute Freundschaft zu den Menschen dort.

Hat sich Euer Produktionsprozess der neuen CD im Vergleich zu den Alben davor verändert?

Rich: In der Tat war der Produktionsprozess für dieses Album ziemlich unterschiedlich zu denen davor. Wir haben die Songs zunächst in einer akustischen Form geschrieben. Das ist eine gute Möglichkeit festzustellen, ob ein Song für sich allein Bestand hat, bevor man verschiedenste Produktionstechniken hinzufügt. Wir haben für die Songs dann Klangteppiche konstruiert, die die Atmosphäre des jeweiligen Songs unterstützte. Diese Arbeitsweise gab dem Album einen anderen fast nervösen Charakter. Wir haben den Eindruck, als würden auch die Melodien dadurch stärker wirken.

Mittlerweile hört man die Gitarren bei MESH viel stärker heraus, dass sie schon fast zu einem Erkennungszeichen werden. Spielt Ihr sie ein oder sind sie gesampelt?

Rich: Wir haben schon immer Gitarren bei unserer Musik benutzt, doch vermutlich waren sie in der Vergangenheit etwas leiser oder so sehr verfremdet, dass man sie nicht wahrgenommen hat oder sie synthetisch klangen. Bei unserem neuen Album haben wir sie weiter nach vorn gebracht. Bei Songs wie "This Is What You Wanted" bringen wir die Gitarren stufenweise ein, so dass es sich manchmal richtig rockig anhört. Die Gitarren sind gesampelt, doch gewöhnlich in Phrasen oder Riffs, um den Live-Charakter zu erhalten, den wir wichtig finden. Gerade wenn etwas nicht ganz perfekt ist, gibt das den Songs Energie im Vergleich zum eher trockenen Programmieren.

Wie habt Ihr es geschafft, den Songs ein so interessantes Gewand zu geben, dass man bei jedem Hören immer wieder neue Fragmente entdeckt?

Rich: Wir mögen es sehr, einen Song Stück für Stück aufzubauen. Am Ende ist der fertige Track recht komplex, glaube ich und beim ersten Hinhören kann man schon mal etwas verpassen. Das scheint ein weiteres Erkennungszeichen unserer Musik zu sein. Wir haben einmal mit einem Produzenten zusammen gearbeitet, der der Meinung war, dass unsere Songs einfacher werden müssten. Wir haben es daraufhin auch ausprobiert, indem wir einfach ein paar Linien ausgedünnt haben und am Ende haben wir uns alle in dem Ergebnis nicht wieder gefunden. Wir haben einfach alles wieder zusammen gefügt und über die Jahre diese Art des Produzierens verfeinert.

Mark und Rich: Wir benutzen Cubase VST und SX in Verbindung mit Reason und haben natürlich auch ein oder zwei Software Synthesizer. Natürlich haben wir auch noch eine Menge Hardware Synthesizer irgendwo herumliegen und obwohl die Software heute so fantastisch klingt, mögen wir es, sie mit realen Keyboards zu mischen. Manchmal haben richtige Keyboards mehr Präsenz und verleihen den Songs mehr Gewicht. Wir haben auch eine Menge Gitarren, ich glaube, es sind mittlerweile fünf und Effekt-Geräte. Unser Favorit ist dabei das neue POD XT Live. Und da wir das Zeug auch benutzen möchten, werden unsere Songs so vielschichtig.

"Crash" wird Eure erste Singleauskopplung sein. Habt Ihr Angst vor dem Absturz?

Mark: Der Song vergleicht einen Menschen, der sich an einem mentalen Tiefpunkt befindet, mit einem Flugzeugabsturz oder einem Autounfall. Man kann durchs Leben gehen, ohne zu wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt. Doch wenn manche Umstände zusammen kommen, kann einen das umhauen. Der Song will beleuchten, wie zerbrechlich wir eigentlich sind, und dass wir manchmal einfach machtlos den Dingen gegenüber stehen, die mit uns passieren. Ich glaube, dass jeder Angst vor dem Unvorhersehbaren hat, was in so manchem Leben passieren kann.

Auf dem Cover der Single sieht man eine zerstörte Telefonzelle. War der Song "Crash" irgendwie von den Attentaten in London beeinflusst?

Mark: Nein, eigentlich nicht. Wir haben den Song lange vor diesen traurigen Vorfällen in London geschrieben. Vielleicht hatte ich den elften September irgendwie noch im Kopf, als ich nach den richtigen Worten suchte, aber das war dann mehr unterbewusst als absichtlich.

Ihr plant auch ein Video zur Single. Was können wir da erwarten?

Rich: Ja, wir haben an einem eiskalten Tag in Düsseldorf ein Video mit Mark Feuerstake, dem Regisseur unseres allerersten Videos "Not Prepared" gedreht. Zu erwarten sind viele Autos, weinende Frauen, Zeitreisen und Unfälle, die um ein Haar vermieden werden. Es ist wirklich cool geworden. Und dem Himmel sei für uns und für alle Dank, dass wir nicht schauspielern mussten.

Ihr habt auch schon eine Tournee geplant, oder?

Rich: Im Moment arbeiten wir an der neuen Bühnenshow, an neuen Videos und Arrangements. Wir probieren, mehr Live-Aspekte auf der Bühne zu zeigen. Wir haben für die nächsten drei Monate noch eine Menge Arbeit vor uns. In naher Zukunft wollen wir durch ganz Europa touren. Deutschland wird der Start für ein Jahr werden, das wohl ziemlich anstrengend für uns zu werden scheint.

Mark: Wir haben auch schon angefangen zu proben. Wir wollen wirklich alles richtig machen, um den Fans eine unvergessliche Erinnerung zu bescheren, die viel zu lange auf dieses Album haben warten müssen.

Das Cover von "We Collide" zeigt eine Art Kinderspiel, was wir wohl alle auf dem Schulhof gespielt haben. Welche Aussage verfolgt Ihr mit diesem Titelbild?

Mark: Die Illustrationen sind auch etwas, was wir immer selbst in unsere Hände nehmen und sie sind in vielen Belangen so wichtig wie die Musik selbst. Sie geben den Fans einen weiteren Hinweis darauf, was die Band wirklich ausmacht. Wir haben ein wenig mit einer Vielzahl von Themen herumgespielt, wobei dieses Bild herausgekommen ist, womit wir alle das Gefühl hatten, dass es perfekt ist. Neil hat eine Menge Photos von Kinderspielzeugen geschossen, die kleine, rote Pistole eingeschlossen und sie mit diesem "Himmel und Hölle" Spiel kombiniert. Das Bild drückt die Unschuld der Kindheitsspiele aus, obwohl Gewalt auch schon damals eine Rolle spielte, impliziert durch die Pistole im Zentrum des Bildes. Vielleicht beginnt ja alles auf dem Spielplatz, vielleicht ist er die Schmiede unseres Schicksals.

Neil zeichnet sich immer für das Artwork verantwortlich. Viele der Bilder zeigen den Gegensatz von Harmonie und Gewalt!

Mark: Neil hat alle Bilder für dieses Album aufgenommen, also sowohl für das Cover als auch das Booklet, das "Crash" Cover eingeschlossen. Er erdenkt sie und gibt es auf den Drucker. Er macht alles. Für uns ist es sehr wichtig, diese enge Verbindung zwischen Musik und Artwork zu haben. Klar wäre es einfacher, wenn wir das nicht machen würden, doch dann könnte man auch sagen, dass es sicher auch einfacher wäre, wenn wir nicht selbst produzieren oder aufnehmen würden. Was ich sagen möchte ist, dass wir alles am Album gemacht haben, wenn du eins kaufst. Manchmal frage ich mich, was andere Bands noch beisteuern, wenn sie sich alles aus der Hand nehmen lassen und welche Genugtuung sie dann wohl fühlen mögen, wenn sie nicht am ganzen Prozess beteiligt waren. Ich glaube aber auch, dass wir sehr viel Glück mit unserem Label haben, die uns eben all das machen lassen.

Welche Genugtuung erhält denn der Hörer, wenn er "We Collide" hört?

Mark: Genauso wie bei unseren letzten Alben interessiert es uns, Gefühle beim Hörer freizusetzen. Wir wünschen uns, dass die Leute die Klänge mögen und von den Texten berührt werden. Wir würden uns wünschen, dass die Hörer die CD durchhören, um sie am Ende noch mal zu hören und das nicht weil sie meinen, dass sie das sollten, sondern eher weil sie an nichts anderes mehr denken können.

Ihr habt auf "We Collide" mit Gareth Jones zusammengearbeitet. Was habt Ihr Euch davon versprochen?

Rich: Sein Name tauchte bereits irgendwie auf, als wir an "Who Watches Over Me?" saßen, doch damals dachten wir, er würde sehr eng mit Depeche Mode zusammen arbeiten und wir glaubten plötzlich, dass das dann wohl keine so gute Idee sei, etwas mit ihm zu machen, obwohl der Mann eine absolute Legende in der Produktion elektronischer Musik ist. Als sein Name dann erneut auftauchte, schauten wir uns mal seine Arbeiten an, die er so in der letzten Zeit gemacht hatte und wir waren überrascht, wie breit gefächert die Liste der Projekte ist. Eines der Alben, an dem er beteiligt war, war die CD von Embrace, die zu jener Zeit auf Platz eins der britischen Charts waren. Und das überzeugte uns. Eine andere Motivation war jemanden zu finden, der sich auch mit rockigen Klängen auskannte. Am Ende war die Entscheidung absolut richtig. Es war großartig mit Gareth zusammen zu arbeiten. Er hat alles auf den Punkt gebracht und genau das produziert, was wir wollten. Er ist wirklich ein sehr fokussierter und kreativer Mensch.

Wenn man die Informationen auf Eurer Internetseite verfolgt, weiß man, dass "We Collide" eigentlich schon über ein Jahr fertig ist.

Mark: Ja, das stimmt. Die Irrungen und Wirrungen um das Label haben natürlich nicht geholfen, doch der eigentliche Grund ist, dass wir so bei der Produktion dieses Albums involviert waren, dass jedes Stadium wie Schreiben, Aufnehmen, Mischen, Mastern und Artwork einfach länger gedauert hat. Doch wir haben dabei viel gelernt und die Zeit war gut investiert.

Damals wolltet Ihr die CD noch mit Gerrit Frerichs abmischen.

Mark: Ja, wir schätzen seine Arbeiten am Camouflage Album sehr und hielten es für eine gute Idee mit ihm zu arbeiten, doch familiäre Dinge und vor allem die Logistik immer nach Hamburg und zurück fliegen zu müssen, haben das verhindert.

Würdet Ihr mal Dinge wie die Produktion aus der Hand geben wollen?

Mark: Wir haben diese Idee nie gemocht, besonders nicht bei unserer Art von Musik. In einer Band zu sein, bedeutet für uns eben alles selbst zu tun. Wenn man also alles einen Produzenten machen lassen will, warum ist man dann Musiker? Doch ich denke, dass es manchmal ganz gut sein kann, sich helfen zu lassen, wie uns zum Beispiel Gareth beim Mischen geholfen hat. Es kann dir frische Gedanken bringen und deine Arbeit von einem anderen Blickwinkel beleuchten lassen. Vielleicht kann man aber auch noch mehr erreichen und wir sollten es einfach mal probieren, ich weiß nicht.

"There is no place like home" heißt es in einem Eurer Songs. Was bedeutet Zuhause für Euch?

Rich: Zuhause ist definitiv Bristol für mich. Ich habe hier mein ganzes Leben verbracht und obwohl ich das Reisen mag, freue ich mich immer nach hause zu meiner Familie und der Realität zu kommen. Zuhause ist es eben am schönsten.

Mark: Ja, Bristol ist mein Zuhause. Es gibt noch einen Ort an der englischen Küste, der sich wie Zuhause anfühlt, weil ich viel Zeit dort verbracht habe als ich jung war und das ist Seaton. Zuhause ist immer da, wo man sich am glücklichsten fühlt.

Marco Meirich, Gothic

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