Mesh

Einer der wenigen Veröffentlichungstermine der letzten Zeit, dem ich wirklich entgegengefiebert habe, war der des neuen Mesh Albums "Who Watches Over Me?". Lange hat man nichts mehr gehört von den drei sympathischen Jungs aus Bristol. Liegt die Veröffentlichung ihrer Live Platte "On This Tour Forever" doch mittlerweile schon über ein Jahr zurück, und auch den letzten Longplayer "The Point At Which It Falls Apart" schmückt noch eine Jahreszahl aus dem letzten Jahrtausend. Nach ihrem kleinen Intermezzo mit Technoman Mark'Oh, das gegen alle Befürchtungen meinerseits doch recht nett ausgefallen ist, und dem Wechsel zu Home Records, einem Sublabel von Sony Music, war ich doch sehr gespannt ob sich diese Veränderungen auch akustisch auf dem neuen Album niederschlagen würden. Entsprechend vorsichtig holte ich die CD dann auch aus dem Umschlag. Optisch war schon mal alles klar, deutlich als Mesh CD zu erkennen, legte ich die Scheibe in meinen CD Player und mit jedem weiteren Track stellte ich erleichtert fest, dass Mesh immer noch wie Mesh klangen und vielleicht sogar noch ein bisschen besser.

Seit der Veröffentlichung von "The Point..." sind mittlerweile mehr als zwei Jahre vergangen. Was hat sich in dieser Zeit bei Mesh alles getan? Was habt Ihr neben den Arbeiten an "Who Watches Over Me?" gemacht?

Mark: Das war wirklich ein wenig zu lang, länger als wir ursprünglich geplant hatten. Nachdem wir "The Point At Which It Falls Apart" fertiggestellt hatten, gingen wir auf Tour, drehten ein Video und waren ein paar Mal im deutschen Fernsehen zu Besuch, sind also hauptsächlich mit der Promotion unserer Platte beschäftigt gewesen. Es war sicherlich die erfolgreichste Platte, die wir bis dahin gemacht haben, und es gab eine Menge zu tun. Ausserdem produzierten wir die Live E.P. und das Tourvideo mit CD "On This Tour Forever", die wie all unsere Projekte viel Zeit in Anspruch genommen haben. Ich denke, Kontrolle und Organisation war eines unserer grössten Probleme, man verschwendet viel Zeit damit, doch für uns ist sie sehr wichtig. Ausserdem gab es noch die Aufnahmen mit Mark'Oh und das Video natürlich. Doch ich denke, die meiste Zeit haben wahrscheinlich die juristischen und vertraglichen Verhandlungen rund um unser Verlassen unseres schwedischen Labels Memento Materia und unseren Vertragsabschluss mit unserem neuen Label Home Records in Deutschland gemacht. Es gab keine wirklichen Probleme bis sie uns gehen liessen. Sie haben es uns tatsächlich sehr einfach gemacht (wofür wir sehr dankbar sind), doch die ganze Sache war einfach ein bisschen chaotisch. Bis zum Herbst 2000 hatten wir noch nicht richtig mit der Arbeit an "Who Watches Over Me?" begonnen. Im Januar 2001 unterschrieben wir bei Home Records und hängten unsere Jobs an den Nagel, um uns ganz auf die Arbeit an der neuen Platte konzentrieren zu können. Nach dem Vertragsabschluss wurde es etwas ruhiger an der geschäftlichen Front. Im Dezember war die Platte dann komplett fertig. Das Schreiben der Stücke, die Aufnahmen und das Abmischen haben also ungefähr ein Jahr gedauert.

Bei der Veröffentlichung Eures neuen Albums habt Ihr ja mit Sony Music einen starken Partner im Rücken, hat sich damit viel für Euch geändert (im Gegensatz zu Eurer Zeit bei Memento Materia), was erwartet Ihr von Eurem neuen Label?

Mark: Die Platte wird von Columbia/Sony promoted und vertrieben, die natürlich einen sehr professionellen Background haben. Durch die Tatsache, dass wir auch direkt bei einem Independent Label unter Vertrag stehen, erhalten wir die Vorzüge beider Welten. Wir haben ein ziemlich cooles, persönliches Verhältnis mit den Leuten von Home Records, das uns ermöglichte, die Platte so zu machen, wie wir sie wollten, was uns sehr wichtig war. Gleichzeitig machen Columbia/Sony natürlich eine ziemlich gute Promotion mit all den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Die größte Veränderung für uns war sicherlich die Aufgabe unserer Jobs und die Möglichkeit, uns ganz der Band widmen zu können. Ob dies so weitergehen kann, ist natürlich davon abhängig, ob wir überhaupt Alben verkaufen, aber es hat einen großen Einfluß auf unseren diesjährigen Output gehabt und gab uns auch die Zeit, an unserer Liveperformance für die kommenden Touren zu arbeiten. Ein Luxus, den wir uns nicht immer leisten konnten.

Steigt damit nicht der Druck, die Erfolgserwartungen des neuen Arbeitgebers erfüllen zu müssen?

Mark: Ich denke, es gibt einen Druck, die Dinge zu schreiben, die die Leute kaufen werden, aber gleichzeitig wurden wir nicht in eine bestimmte Richtung gezwungen (angewiesen, gestupst, gedrängt, beschwatzt...). Um ehrlich zu sein, haben wir das gleiche Album geschrieben, das wir auch geschrieben hätten, wenn wir noch bei Memento Materia gewesen wären. Und genau das war auch unser Standpunkt, als wir begannen, an dem Album zu arbeiten. Wir müssen überzeugt sein von den Dingen, die wir tun, sonst könnten wir nicht damit weitermachen, zumindest nicht als Band, das stand niemals zur Debatte. Es wird immer einen gewissen Druck geben, Sachen zu schreiben, die nicht Mist sind, denke ich, vor allem wenn es um eine große Summe Geld geht. Gleichzeitig darf man sich aber dar&uum;ber nicht zu viele Gedanken machen, denn das frisst einen letztendlich auf. So etwas kann einen ganz schön aus der Bahn werfen, genauso wie z.B. die Wahl eines falschen Produzenten. Das ist ein Grund dafür, dass wir unsere Sachen selbst produzieren und programmieren - es ist wichtig für uns, mit so wenig Unbekannten wie möglich zu arbeiten.

Wie kam der Kontakt mit Eurem neuen Label zustande?

Mark: Ich denke, man muss fairerweise sagen, dass der Kontakt über Marko Albrecht (Mark'Oh) zustande kam, der sehr interessiert an uns war. Ausserdem spielte unser deutscher Vertrieb SPR auch eine große Rolle dabei. Home Records (damals Orbit Records) hat uns wegen der Stärke unseres vorherigen Materials unter Vertrag genommen. Sie haben nicht einmal nach Demos unserer neuen Tracks gefragt, was wahrscheinlich auch gut so war, denn wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel, was wir ihnen hätten zeigen können. Die Single "Waves", die wir mit Mark'Oh gemacht haben, hat auch ein gewisses Potential, doch es ist nicht viel daraus geworden, das ist wirklich schade, weil der Track unserer Meinung nach wirklich gut war.

1996 veröffentlichte Memento Materia die Compilation "Electro Magnetics", die neben zwei Mesh Tracks einen Song der schwedischen Band APRIL TEARS enthielt, der bei URBAN aufgenommen und von Mesh produziert wurde. Das APRIL TEARS Album "Ice Cold Kisses" war für September 96 angekündigt, wurde aber niemals veröffentlicht. Was war der Grund dafür?

Mark: Man hat uns darum gebeten, 9 oder 10 Tracks für April Tears zu mixen während sie bei Memento Materia waren. Das Rohmaterial war schon irgendwo in Schweden aufgenommen worden, ich weiß nicht genau wo. Wir haben die Platte in Bristol fast umsonst in ein paar Tagen gemixt, und das Resultat war wirklich ok. Es war eine Schande, denn es gab einige grossartige Songs auf den Tapes, aber diese Songs in kommerzielle Aufnahmen zu verwandeln hätte eine Menge Zeit und Geld gekostet, das einfach nicht vorhanden war. Wir hatten viel zu tun: 2 oder 3 Songs am Tag und das mit einem ADAT (grauenhaft, wenn man unter Zeitdruck steht), inklusive der Gesangsaufnahmen und des Abmischens. Eigentlich unmöglich zu schaffen, aber ich denke, man hatte schon einige vorangegangene Versuche gestartet, den Job von jemanden machen zu lassen, und das hat überhaupt nicht funktioniert. Wir haben die beste Arbeit abgeliefert, die man mit dem vorhandenen Budget machen konnte. Wenn man sich die Songs jetzt auf "Consume Desire" anhört, klingen sie richtig cool. Aber es ist auch eine ganz andere Welt, wenn man sich die Anzahl von High End Studios auf der Credit List anschaut - man kann diese Aufnahmen einfach nicht miteinander vergleichen. Vielleicht hätten sie die Aufnahmen besser veröffentlichen und mit der Arbeit für die nächste Platte beginnen sollen, anstatt fünf Jahre zu warten. Aber nur sie selbst können beurteilen, ob sie richtig gehandelt haben - Die Aufnahme ist jetzt sicherlich so geworden, wie sie sie immer haben wollten, und das ist ihr Verdienst. Wir sind immer noch in Kontakt, und es ist schön zu sehen, dass sie ihre CD nach all den Problemen mit den Plattenlabels jetzt veröffentlicht haben. Sie verdienen den Erfolg, es ist eine sehr gute und interessante Platte, und Andreas Jismark ist ein grossartiger Songwriter.

Das Coverartwork zeigt wie schon auf "The Point..." alte, nicht mehr gebrauchte, verlassene und heruntergekommene Objekte. Steht das Artwork in irgend einem thematischen Zusammenhang mit den Inhalten Eurer Texte, oder was soll das Artwork vermitteln?

Mark: Viele der Songs stellen die Frage, wie viel Kontrolle wir über unser Leben haben, wenn überhaupt. Sie erzählen von unserem Verhältnis zu anderen Menschen, Orten und Situationen, die diese Kontrolle über uns ausüben. Wer sind die Menschen, die uns beobachten? Freunde, Familie vielleicht völlig Fremde. Vielleicht ist da überhaupt niemand. Es ist ein Thema, das sich durch das ganze Album zieht, die Bilder sollen diese Gedanken transportieren.

Wo entstanden die Aufnahmen? Vor allem wo stehen denn diese Cowboystiefel und der Hut? Wisst Ihr, was das früher einmal war?

Mark: Neil hat die Bilder in Seattle gemacht. Der Wachturm auf dem Cover gehört zu einem ehemaligen Boeing Gelände. Der Hut und die Stiefel stammen von demselben Gelände und sind eine ehemalige Tankstelle - die Boots sind die Toilette, der größere Stiefel offensichtlich für die Herren.

Bei unserem letzten Interview ist in Amerika gerade Euer Backkatalog erschienen. Wie waren denn die Reaktionen auf Eure Musik im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Mark: Um ehrlich zu sein waren wir nur 4 Mal in den Staaten, aber die Reaktionen waren fantastisch. Wir bekommen immer noch Briefe und Emails aus Amerika, was eine Art Bestätigung für uns ist. Doch wir hoffen, dieses Jahr noch eine richtige Tour durch Amerika zu machen um zu testen, wie unsere Aktien dort wirklich stehen (und natürlich die Pizza und die Burger...).

Die erste Single aus Eurem Album soll nach meiner Information "Leave You Nothing" sein. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Mark: Die erste Single "Leave You Nothing" ist wahrscheinlich sehr typisch für den Sound des neuen Albums. Der Song handelt von einem Mann, der seine Tochter nur für eine Stunde in der Woche zu sehen bekommt, und beschreibt seine Erwartungen an die gemeinsame Zeit, die Unbeholfenheit dieser zerbrechlichen Beziehung und die Angst davor, den Einfluss auf ihr Leben ganz zu verlieren. Es ist so geschrieben, dass man erst in den letzten Zeilen des Textes merkt, dass es sich nicht um ein einfaches Liebeslied handelt. "The sound is warm, wide and heavy with an uncluttered feel in the verses and opening out into a big chorus" - typische Mesh-Struktur vielleicht, aber es funktioniert, und wir sind sehr zufrieden damit. Die Wahl der Single haben wir Home Records überlassen. Sie hätten jeden Track des Albums veröffentlichen können, und wir wären glücklich damit gewesen. Also dachten wir uns, es wäre das Beste, ihnen die Auswahl zu überlassen. Wir haben wahrscheinlich zu wenig Abstand vom Projekt, um eine brauchbare Meinung abgeben zu können.

Wird es ein Video zu Eurer ersten Single geben? Wenn ja, gibt es schon konkrete Pläne wie es aussehen soll?

Mark: Ja, wir werden nach Berlin gehen, um das Video für "Leave You Nothing" zu drehen. Momentan wird der Aufbau des Videos zusammengestellt, und wir haben ihnen etwas Input dazu gegeben. Der Clip wird das Gefühl und die Empfindung des Songs wiederspiegeln. Wir haben unsere Wünsche mit dem Director abgestimmt und sind ziemlich optimistisch, dass es auch funktionieren wird. Zum Glück müssen wir nicht besonders viel schauspielern, denn das ist etwas, das nicht besonders weit oben steht auf unserer Liste der "Dinge, die wir lieber tun würden als Musik zu machen".

Die Gitarre ist auf dem Album auch wieder stark vertreten. Werdet Ihr bei Euren Konzerten die Gitarrenparts live spielen? Behaltet Ihr Euer Livekonzept (Sänger + 2 Keyboarder) bei, oder werden Euch diesmal noch andere Musiker bei Euren Auftritten unterstützen?

Mark: Wir wollen dieses Mal bei einigen Stücken etwas Gitarre einsetzen, einfach aus dem Grund, dass es einige neue Stücke wie "Retaliation" gibt, die etwas "unfertig" klingen würden, wenn wir sie ohne die Gitarre spielen. Alles was wir spielen wird jedoch von der Band gespielt. Wir haben nicht vor, irgendwelche anderen Musiker zu integrieren. Das ist eine Sache, von der wir noch nie viel gehalten haben. Wenn man eine Band ist, die aus drei Personen besteht, die schon lange befreundet sind, dann funktioniert das, kommen weitere Personen ins Spiel so ändert das die Balance und verwirrt die Fans. Letztendlich präsentieren wir uns als eine elektronische Band, die hier und da ein wenig Gitarre benutzt - ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute eine X-Mann Band mit Drums, Gitarren, Violinen und Gott weiß noch was erwarten. Sicherlich, vielleicht wäre es visuell ein wenig interessanter, doch das ist es nicht, was die Leute von uns wollen, und wir haben andere Möglichkeiten, den Auftritt interessant zu gestalten.

Werdet Ihr die anstehende Tour alleine bestreiten? Wird es ein Support geben oder eine Tour mit einer anderen Band wie damals mit De/Vision oder Beborn Beton zusammen?

Mark: Ja, wir sind noch in Gesprächen mit mehreren Bands, und es ist noch keine Entscheidung gefallen. Es wird nur ein Support Act mit dabei sein, doch ich denke die Zuschauer werden sie mögen, welche Band es letztendlich auch sein mag.

Habt Ihr eigentlich noch Kontakt zu De/Vision und Beborn Beton?

Mark: Ja, wir hatten gerade vor einigen Monaten einen Gig zusammen mit Beborn Beton in der Schweiz, der richtig Spaß gemacht hat. Die Jungs von De/Vision sehen wir auch, so oft sich die Gelegenheit dazu bietet - gewöhnlich irgendwo in Deutschland wo es Bier gibt. Das sind alles tolle Leute, und wir schätzen uns glücklich sie zu kennen.

Als ich damals von Eurer Zusammenarbeit mit Mark Oh erfahren habe, war ich schon ziemlich überrascht. Konnte ich mir eine Kombination aus Mesh und der Musik von Mark Oh nicht vorstellen. Wie kam eigentlich der Kontakt zu Mark Oh zustande, und wie war die Zusammenarbeit?

Mark: Das haben uns vorher viele gesagt. Um ehrlich zu sein wussten wir nichts über ihn, bevor wir nach Deutschland kamen um die Vocals für "Waves" aufzunehmen; wir waren also nicht voreingenommen. Es war wirklich etwas ärgerlich, denn wir waren vorher immer ziemlich vorsichtig was unsere Musik betraf und hofften, dass die Leute uns genug Vertrauen entgegen bringen würden, um das Ganze nicht gleich als Fehler zu beurteilen. Es war wirklich traurig, schon im voraus so viele kritische Stimmen und Vorurteile zu hören, für uns war es eine Genugtuung nachdem die Platte herauskam, dass es keine Dance- sondern eine gute Orchesterversion geworden ist. Wir sind immer noch der Meinung, dass es eine gute Aufnahme ist und wir bereuen es in keinster Weise. Wir haben keinen einzigen Brief oder Email bekommen die besagte, es wäre eine schlechte Platte, und sie ist regelmäßig in den Fan - Top 5 Listen unserer besten Tracks zu finden. Im Endeffekt war "Waves" Marko's Wahl, doch es war auch eines meiner Lieblingslieder in meiner Jugend - ein Stück, das oft übersehen wurde. Ich habe es bestimmt schon mehr als hundert Mal gespielt, und es war ein merkwürdiges Gefühl, es jetzt auf eine CD zu bringen, besonders mit dem London Session Orchestra. Merkwürdig aber befriedigend.

Ich habe gehört, dass es noch Pläne für eine weitere Zusammenarbeit gab. Was ist daraus geworden?

Mark: Nicht wirklich. Wir haben zwei Tracks mit Mark'Oh gemacht ("Waves" und die B Seite "You And Me") und einen Schlussstrich darunter gezogen. Wir sahen keine Möglichkeit für eine weitere musikalische Zusammenarbeit ausserhalb dessen, was wir schon getan hatten. Es hätte jeden von uns weiter und weiter davon entfernt worin unsere Stärken liegen - es gab einfach zu wenig Übereinstimmungen, um eine längere Zusammenarbeit am Laufen zu halten. Er ist ein warmherziger und lustiger Typ, und er bleibt ein guter Freund. Wir treffen uns gelegentlich noch bei Labelangelegenheiten.

Ihr produziert und nehmt Eure Songs in Eurem eigenen Studio auf. Abgemischt und gemastert wurden sie jedoch in Hamburg und Belgien. War das eine Frage des Equipments oder der Erfahrung andere Leute hinzuzuziehen?

Mark: Wir haben ein ziemlich gut ausgestattetes Studio in Bristol (Urban), das uns viel Zeit gekostet hat um es so einzurichten, wie wir es wollten. Doch jetzt ist es ein fantastischer Platz um zu schreiben und aufzunehmen - wir haben dort alles, was wir brauchen. Die Entscheidung, nach Hamburg zu gehen, fiel, als wir das Gefühl bekamen, hier an die Grenzen unserer Möglichkeiten zu stoßen. Wir hatten das Gefühl, dem Sound unserer vorherigen Alben fehlte es an Wärme, Klarheit, Weite und wenn sich also eine Gelegenheit bieten würde, sollten wir sie ergreifen. Und so kam es, dass wir unser Album mit BlackPete auf einem SSL Mischpult der 9000er Serie in den Home Studios abschlossen. Es war fantastisch, mit BlackPete zusammen zu arbeiten, und seine Erfahrung führte zweifellos zu vielen klanglichen Veränderungen auf dem neuen Album.

Werdet Ihr in Zukunft wieder als Remixer für andere Künstler tätig sein? Ihr habt ja auch schon andere Bands in Eurem Studio produziert, habt Ihr dafür überhaupt noch Zeit, und ist da wieder etwas geplant?

Mark: Vielleicht ein paar Remixe wenn sich die Gelegenheit ergibt. Doch wir sind momentan ziemlich damit beschäftigt, unsere eigenen Sachen unter einen Hut zu bekommen. Remixen kann unheimlich viel Spaß machen, kann dich allerdings auch kreativ austrocknen. Also müssen wir entweder die Leute gut kennen, die wir remixen sollen, oder es muss einfach ein richtig guter Track sein. Ich denke, wir könnten es nicht einfach des Geldes wegen tun.

Im Booklet steht "Pro Tools transfer and preparation by Andy Henderson". Mit welchem System arbeitet Ihr in Eurem Studio?

Mark: Pro-Tools ist ein fantastisches Hardware/Software System. Doch die Wahrheit ist, dass wir es uns momentan einfach nicht leisten können. Wir wurden förmlich bekehrt, als wir einige Zeit in einem Studio in Bristol verbrachten - Andy konnte fantastisch damit umgehen und hat sowohl Ordnung in unsere Aufnahmen gebracht, als auch den Transfer von Cubase gemanagt. In Hamburg benutzten wir zwei verlinkte Pro-Tools Türme, die uns zusammen mehr als 100 Audiospuren zur Verfügung stellten. Es gab nie Probleme, und das System ist unheimlich flexibel. Wenn irgendwelche Bits einer Audiospur verloren gehen holen wir sie einfach wieder von einem PC Laptop und fügen sie ein. Total easy. Mit Cubase VST sind wir eigentlich ganz zufrieden, aber es gibt immer wieder PC Probleme, die die Arbeit ins Stocken bringen. Im Prinzip haben wir uns damals für Cubase V3 aufgrund seiner Audiofähigkeit und der Tatsache, dass es billiger als Logic war, entschieden. Die ganzen Möglichkeiten, die diese Sequenzerprogramme mittlerweile bieten, brauchen wir nicht. Es gibt einige Dinge, die man wirklich benutzt, aber die konnten auch schon fast alle Sequenzer der letzten 10 Jahre. Den Rest kann man einfacher in einem guten Soundeditor oder einem Loop Bearbeitungsprogramm machen.

Habt Ihr Euer Studio für die Aufnahme des neuen Albums noch einmal erweitert?

Mark: Ja, wir haben uns einen neuen PC mit einer riesigen Festplatte gekauft. Für die Aufnahmen zu "The Point..." haben wir noch meinen PC und einen Atari benutzt. Dazu haben wir uns noch zwei Midiman 1010 Audiokarten zugelegt, mit denen wir sehr zufrieden sind (obwohl, sie werden WIRKLICH heiss). Sie stellen uns jede Menge Eingänge bereit, um alle möglichen Quellen an den Computer anzuschließen. Wir haben uns einen Fostex D2424 Hard Disk Rekorder zum Archivieren und Verwalten auf SCSI Platte zugelegt, den wir mit dem PC verbinden, um Audio vom Multitracker zur Sicherung auf CD herunterziehen zu können. Das war cool, denn so konnten wir ziemlich einfach ein paar CD's zusammenstellen, wenn wir unser Material für Remixe verschicken wollten. Dann haben wir uns noch ein paar neue Keyboards angeschafft. Die neuen DSP Teile wie den Access Virus, den Nord Lead, Trinity, Nova und MS2000 - sehr flexibel und sie haben einen großartigen, warmen Klang. Der Virus wird vielleicht ein bisschen zu oft in der Dance- und Electronicszene benutzt, aber er hat so viel Persönlichkeit, dass man damit leben kann.

Welche Geräte (Soft/Hardware) würdet Ihr sofort wieder kaufen, wenn sie Euch abhanden kommen würden?

Mark: Den EMAX II Sampler würden wir auf alle Fälle wieder ersetzen, da wir ihn immer noch ziemlich häufig benutzen, wir haben ihn einmal als Rack- und noch einmal als Keyboardversion zum Touren. Den Roland SH101 würden wir auch ersetzen, obwohl das vermutlich ein Vermögen kosten würde. Den Access Virus, wie schon erwähnt natürlich auch - er ist einfach so vielseitig, aber dabei auch extrem in allen Bereichen. Cubase würden wir wahrscheinlich nicht ersetzen, wenn Pro Tools erschwinglich wäre, oder vielleicht würden wir auch beides benutzen. Pro Tools für Audio und Cubase für MIDI. Ich schreibe immer noch gerne zu Hause mit Cubase, also würde ich es mir wohl wieder kaufen, wenn mein PC zu Hause weg käme. Wenn ich meine Casio Midi Gitarre verlieren würde, müsste ich unbedingt wieder eine finden. Gott weiß, wo ich da anfangen sollte zu suchen! Der eingebaute Tuner alleine wäre es schon wert!

Die Möglichkeiten, Musik alleine mit dem Computer zu machen, werden ja immer vielfältiger. Wie steht Ihr zu Softwarelösungen wie Soft-Synths oder EFX Plugins? Setzt Ihr so etwas ein, oder habt Ihr lieber ein paar Knöpfe in der Hand?

Mark: Es hat natürlich alles seinen Vorteil, aber man muss aufpassen, dass es einem nicht am Schreiben hindert. Wir haben in den letzten Jahren mit solchen Dingen Wochen verschwendet. Gut, wenn Du Musik schreibst weil Du technische Spielereien liebst, dann benutze es, aber manchmal gibt es einfachere Wege, um einen originellen Sound zu bekommen als 15 Software Plugins hintereinander zu schalten, genau wie es einfacher ist, anzurufen als eine Email zu schicken, und man hat die Antwort sofort. Ich denke, das Beste was diese Dinger momentan bringen, außer den unzähligen Sounds, die man damit erzeugen kann, ist die Portabilität dieser Technologie. Du kannst ein komplettes Produktionsstudio mit Soundmodulen, Drummaschinen und Effekten auf einem Sony Vaio in der Größe eines Filofax laufen lassen, und es ist alles wirklich brauchbares Zeug. Die Grenze von 100% PC/Mac basierender Musik ist immer die Hardware auf der sie läuft und die klanglichen Qualitäten der Soundkarte, doch es ermöglicht Zugang zu Tools, die vor ein paar Jahren noch unerreichbar schienen. Ich bin immer noch nicht überzeugt davon, dass dies die Zukunft der Musikproduktion ist und dass man in einigen Jahren keinen großen Studios mehr brauchen wird. Wir hätten vor einem Jahr wahrscheinlich das Gleiche gesagt, doch unsere Erfahrungen in den Home Studios haben uns gezeigt, dass es noch eine lange Zeit dauern wird, und es keinen wirklichen Ersatz für den klanglichen Charakter und die Wärme eines high end Mischpultes und Outboardequipments gibt.

Was sind momentan Eure persönlichen musikalischen Favoriten auf dem Markt?

Mark: Alles mögliche. Radiohead ist immer noch eine der Bands, die die meiste Zeit meine Player belegt, aber auch Smashing Pumpkins und Foo Fighters. Nicht besonders viel elektronisches Zeug, obwohl ich vor kurzem mit Ladytron eine Retrophase durchgemacht habe. Neil hört viel das neue Garbage Album und Zero 7. Ich glaube, Rich hat sich gerade das Live Nine Inch Nails Album mit 5.1 Surround Sound gekauft. Nach allem, was man so hört, muß es fantastisch sein - das ist etwas, das wir auch gerne mal ausprobieren würden.

Ihr habt schon seit einiger Zeit Eure Jobs aufgegeben. Wie hat sich für Euch das Leben jetzt als Profimusiker geändert? Was habt Ihr vorher gemacht?

Mark: Ich war Unix Programmierer, Neil arbeitete für eine lokale Behörde, und Rich war Elektriker. Cool, oder? Nicht wirklich glamourös. Es war, als würde man sein Leben zurück bekommen, und wir können es immer noch nicht fassen. Es ist schon merkwürdig, dass jemand bezahlt wird für etwas, das er so gerne macht, dass er es auch umsonst machen würde und dabei glücklich wäre (erzähl das niemandem...). Wir sind uns dessen bewusst, was von uns erwartet wird und haben uns eine Art Arbeitszeit eingeteilt. Wir waren schon immer so organisiert, und es hat gut funktioniert. Natürlich gibt es auch diese langen Phasen, wenn wir auf Tour sind, Abmischen oder Promotion machen, doch im Endeffekt haben wir unsere Entscheidung nie in Frage gestellt.

Zum Schluss noch meine am häufigsten gestellten Fragen: Was sind Eure Pläne für die Zukunft und wollt Ihr noch irgend etwas los werden?

Mark: Unsere größte Hoffnung ist es, eine weitere Platte zu machen, die auf den Erfolg unserer jetzigen aufbaut. Das wäre cool. Es ist für uns in diesem Stadium wichtig, unsere Musik an die Öffentlichkeit zu bringen und die Leute hören zu lassen was wir machen. Ich glaube, ich kann abschließend sagen, dass wir unser Bestes gegeben haben, und es gab nichts, was wir noch hätten machen können. Ich möchte mich bedanken, sowohl bei all unseren Fans, die die neue Platte möglich gemacht haben, als auch bei Eurem Magazin für seine anhaltende Unterstützung. "Who Watches Over Me?" ist unserer Meinung die beste Platte, die wir bis jetzt gemacht haben, also such dir, wenn die Platte am achten April rauskommt, einen Laden zum Reinhören...

Mark Metzger, Black

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