Wenn man nach den Diskussionen in den AFENet Foren geht, sind mesh eine unter Gary Numan Fans sehr populäre Band. Die Band kam bei Gary Numan's "One Off" Show im [Londoner] 'Forum' letztes Jahr besonders gut an.

In diesem exklusiven Interview mit Mark von mesh, das ich im Sommer während seines Spanienurlaubes mit ihm führte, fragte ich nach mesh's Bild von Gary Numan, die Beweggründe und Bedeutung von mesh und habe ihn gebeten, einen Einblick in jeden Song ihres brillianten neuen Albums 'Who Watches Over Me' zu geben.

Ihr habt als Vorgruppe für Gary Numan im 'Forum' letztes Jahr gespielt, habt Ihr den Abend genossen?

Mark: Ja, wir haben es sehr genossen. Es ist immer ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten und das Publikum ist immer sehr nett zu uns. Es war nicht das erste Mal, dass wir als Vorgruppe für ihn gespielt haben – wir haben ein paar Auftritte als Vorgruppe für ihn gemacht und ich denke diese Gelegenheit kam auch aus diesen Auftritten.

Habt Ihr Gary noch auf ein Gespräch getroffen?

Mark: Ich habe diesmal nur kurz mit ihm gesprochen, aber Rich hat sich, glaube ich, länger mit ihm über Musik und Touren unterhalten. Er hat immer viel Zeit für jeden, der mit ihm sprechen möchte und freut sich, seine Erfahrung zu teilen. Als wir das erste Mal als Vorgruppe für ihn in Bristol gespielt haben, wurden wir zu einer Aftershow-Party in einem Hotel ausserhalb Bristols eingeladen – das war cool und wir konnten uns da ein bisschen mehr unterhalten.
Am Rande bemerkt, seine Unterstützung für uns geht soweit, dass er unsere Alben auf seiner Webseite verkauft – so weit ich weiss, sind wir die einzige Band, für die er dies macht.

Seid Ihr Fans von Gary Numan's Musik?

Mark: Seine frühen Sachen sind natürlich die Grundlage von viel elektronischer Musik der Vergangenheit und der Gegenwart und es wäre nicht richtig zu sagen, er hätte keinen Einfluss auf uns gehabt. Er sollte auch dafür gelobt werden, dass er weiterhin bis heute grossartige Musik schreibt und dabei bleibt. Er schreibt immer noch interessante und experimentelle Alben und sie sind beeindruckend.
Vielleicht war er ein Opfer seines eigenen Erfolges in der Vergangenheit und als solches musste er viel härter als die meisten arbeiten, um die Kritiker zu beeindrucken. Ich denke auch, dass er in Interviews, die ich gesehen und gelesen habe, ein bisschen zu hart zu sich selber sein kann, und nicht begreift, was für ein Einfluss er auf Musiker in vielen Musikstilen gewesen ist.

Was motiviert Euch, Musik zu machen?

Mark: Ich denke Musik ist etwas, was man hauptsächlich für sich selbst macht. Der Prozess des Schreibens, Aufnehmens und eine Platte zu veröffentlichen wird immer aufregend für uns sein und ich bin nicht sicher, ob das jemals weggehen wird – ich hoffe wirklich nicht. Ich denke da ist immer die Hoffnung, dass diese Aufregung auch von anderen empfunden wird, wenn sie die Musik hören und ich denke, es muss auch eine treibende Kraft da sein. Ich schätze, es ist ein bisschen, wie über ein Problem zu reden – wenn Du anderen mitteilst, was tief in deinem Kopf vor sich geht, macht es das Problem manchmal kleiner.

Wie lang habt Ihr gebraucht, um Euer letztes Album fertigzustellen?

Mark: Ungefähr ein Jahr glaube ich. Wir fingen mit dem Schreiben im Oktober 2000 an und wurden so im November 2001 fertig. Um ehrlich zu sein: wir schrieben einen Song zwischen Oktober 2000 und Januar 2001, als wir unsere Jobs aufgaben, um Vollzeit an dem Album zu arbeiten. Der Rest der beträchtlichen Zeit zwischen der Veröffentlichung von 'The Point At Which It Falls Apart' und 'Who Watches Over Me?' wurde vom Aussortieren unseres Plattenvertrages und unseres Studios in Anspruch genommen.

Was macht Ihr zuerst, die Musik oder die Texte?

Mark: Gewöhnlich die Musik. Es hilft, eine musikalische und zeitliche Beziehung zu haben, wenn man schreibt – wenn die Musik die richtige Stimmung hat, können die Texte aus der Musik 'herauskommen' – es ist komisch, aber es funktioniert gut bei uns. Wir kommen für gewöhnlich zurück zu der Musik und 'fügen das Detail' an einem späteren Punkt ein.

Ein Kritikpunkt, der in Richtung mesh zu zielen scheint, ist dass Ihr Euch sehr ähnlich wie Depeche Mode anhört. Wie reagiert Ihr darauf?

Mark: Wir hatten immer das Gefühl, eine starke Identität zu haben und einen eigenen Klang – das ist unsere Meinung, denke ich. Wir benutzen Synthesizer, schreiben Songs und schreiben nicht bewusst Dance Music – die meisten normalen Leute haben keine andere Referenz, nach der sie uns beurteilen könnten, weil ihnen das Wissen um die Geschichte dieses Genres fehlt. Es kann nerven, aber ist auch manchmal schmeichelhaft, besonders wenn sich die Kritik umkehrt und wir der Massstab sind, nach dem andere beurteilt werden.
Wir schreiben, nehmen auf und produzieren alles was wir machen, was ein weiterer Grund dafür ist, dass wir stark von der Qualität unserer Musik und der Zukunft unserer Band überzeugt sind – es ist nicht etwas, worüber alle Bands, mit denen wir verglichen werden, gleich sicher sein können.

Welcher mesh Song ist Euer Favorit und warum?

Mark: Ich denke, das hängt davon ab, wann du uns fragst! Wir alle haben unsere eigenen Favoriten, aber ich denke, Songs vom neuen Album wären im Moment vorne an. Songs wie 'Friends Like These', 'Little Missile' und 'The Trouble We're In' wären im Moment auf der Liste. Es gibt auch einige Songs, die immer drauf sein werden, wie 'Not Prepared', 'It Scares Me' und 'Trust You' glaube ich.

Welcher Nicht-mesh-Song ist Euer Favorit und warum?

Mark: Ich denke, wir alle würden 'Only You' von Yazoo sagen, wenn wir einen Bandfavoriten wählen müssten. Es ist ein so einfacher und doch grossartiger Song, der die reinsten Synthesizer Sounds enthält. Er hat den perfekten Aufbau und die Stimme von Alison Moyet wird nie langweilig. Einfach genial.

Seid Ihr gerne auf Tour?

Mark: Ja, sehr gerne. Ich denke, es gab einen Punkt vor ein paar Jahren, dass wir einfach gelangweilt von dem Material und der Art, wie wir es präsentierten, waren, aber wir haben eine Menge Zeit damit verbracht, es auszusortieren und jetzt ist es wahrscheinlich unser bevorzugter Teil der ganzen Bandsache im Moment. Wir haben eine tolle Crew zum Touren und das, genau wie das Publikum, macht es ein solches Vergnügen. Lange Touren können hart sein, nicht so sehr körperlich wie geistig (Langeweile am Tag) aber wir lernen, das Beste daraus zu machen, indem wir versuchen die Städte, in denen wir spielen, zu besuchen – wenn man eine gute Crew hat, hat man mehr Zeit dies zu tun, weil man während des Tages weniger Zeit in den Clubs verbringen kann.

Die Texte und Bilder, die 'Who Watches Over Me?' umgeben, scheinen ein Gefühl der Isolation und Trennung von geliebten Menschen abzubilden. Ist es das, wovon das Album handelt?

Mark: Das ist ein Aspekt davon, sicherlich mit Songs wie 'Leave You Nothing' und 'Friends Like These'. Ich nehme an, das Album versucht sich mit der Frage wer auf uns aufpasst, wer sich auf uns verlässt und mit den zerbrechlichen Beziehungen, die nicht nur zwischen Liebenden, sondern auch zwischen Freunden und Familie bestehen, zu beschäftigen. Es war am Anfang nicht geplant, ein solches Album zu schreiben und ich glaube, es war wirklich erst, als wir an der Reihe waren, einen Titel für das Album zu finden, dass der Faden offensichtlich wurde. Es war wirklich ein Schock für mich, aber rückblickend war es eine Zeit, wo mir viele dieser Gedanken im Kopf herumgingen.

Weisst Du, wo die Fotos auf der Vorder- und Rückseite vom Cover des neuen Albums aufgenommen wurden? Es sieht ein bisschen nach Cuba aus.

Mark: Es wurde in Seattle aufgenommen. Neil war tatsächlich in einem Greyhound Bus oder so, als er es aufnahm. Es war ein alter Autohof neben einem geschlossenen Boeing Testgelände. Wir haben danach noch jemanden gebeten dahin zurückzugehen, um ein Video für die Liveshows aufzunehmen, welches sehr cool anzuschauen ist. Es scheint, dass es viele Leute kennen. Kinder fahren scheinbar in dem Hut Skateboard, das würde ich gerne sehen! Die 'Stiefel' sind die Toiletten...

Welchen Effekt (wenn überhaupt) hat das Internet auf mesh's Karriere gehabt?

Mark: Ich würde sagen, dass es einen sehr grossen Effekt hatte. Wir waren sicherlich eine der ersten Bands da draussen, die das Internet genutzt haben, um Fans Informationen zu geben und natürlich um Platten zu verkaufen, teilweise auch wegen unserer früheren Verbindungen zum IT Geschäft – es war leicht für uns, es günstig zu machen und wir haben diese Gelegenheit ausgenutzt. Wir haben fast 200.000 Seitenzugriffe pro Jahr zur Zeit, was sehr cool ist und uns auch einen ständigen Überblick darüber gibt, inwieweit etwas da draussen für uns passiert. Ich denke, es war immer ein Weg für Leute, um mit uns in Kontakt treten zu können und für Fans, um miteinander zu reden. Wir haben Geschäftspartner, Remixer und Freunde durch das Web gefunden und ich denke nicht, dass wir uns eine Situation vorstellen könnten, wo wir ohne es funktionieren könnten – ich denke, um ehrlich zu sein, dieses ganze Genre würde ohne es zusammenbrechen – ohne diesen Zugang zu Informationen darüber, was in der Welt passiert.

Was ist das Beste daran, Teil von mesh zu sein?

Mark: Jeden Tag aufzuwachen, wissend, das Einzige was man tun muss ist, mit Menschen, die man liebt und respektiert, Musik zu machen.

Was ist das Schlimmste daran, Teil von mesh zu sein?

Mark: Sich vorstellen zu müssen, wie es wäre, nicht Teil von mesh zu sein.

Mark erklärte sich auch bereit, eine kurze Übersicht zu jedem Song des letzten mesh Albums 'Who Watches Over Me' zu geben...
'Firefly'

Mark: Basiert auf einem Brandanschlag, der nicht weit von dem Ort, wo Rich und ich früher wohnten, stattfand. Sollte ursprünglich nur ein Instrumental werden.

'Leave You Nothing'

Mark: Vom Standpunkt eines Mannes geschrieben, der eine Tochter hat, die er nur für eine Stunde pro Woche sehen darf. Handelt von seinen Ängsten für ihre gemeinsame Zukunft und wie wenig er glaubt ihr geben zu können. Wie ein Liebeslied geschrieben, bis die Zeile '..and I'm glad that you're happy, your mother too...' eine andere Bedeutung andeutet.

'To Be Alive'

Mark: Leute die fühlen, dass sie in einen leichten Wahnsinn verfallen könnten, der durch zu starke Analyse ihres Lebens und Schaffens hervorgerufen wird.

'Retaliation'

Mark: Eine Geschichte ungesühnter Schuld.

'Little Missile'

Mark: Jemand, der in eine Familie kommt und sie zerstört, vielleicht unabsichtlich. Es wurde zuerst nach einer Dokumentation über Anna-Nicole Smith geschrieben.

'Razorwire'

Mark: Ein ungewöhnliches Liebeslied über unseren Hang zu Leuten, die uns schlecht behandeln.

'Four Walls'

Mark: Ein kleiner Kommentar zu unserem Leben im Musikgeschäft und was nötig war, um ein kleines Stück auf der Leiter hoch zu kommen, das wir geschafft haben.

'What Does It Cost You'

Mark: Ein Wächter, der glaubt das wahre Böse in Leuten sehen zu können.

'I Can't Imagine How It Hurts'

Mark: Ursprünglich geschrieben nach einem Nachrichtenbericht über ein kleines Mädchen in Ruanda, das zusah, wie ihre Eltern mit Macheten umgebracht wurden, bevor sie sich ihm zuwandten.

'The Place You Hide'

Mark: Ein einfaches Liebeslied.

'Friends Like These'

Mark: Das Bedauern über vernachlässigte und über die Jahre verlorene Freundschaften, durch Dinge, die vielleicht fälschlich zu der Zeit wichtiger schienen.

'The Trouble We're In'

Mark: Jemand, der einen Partner vor der Wahrheit einer verzweifelten Situation beschützt.

Rob Eggleston, AFEnet

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