Who Watches Over Me?
CD

(Andrea Vetter, Laut)

"Der Sound erinnert an Depeche Mode..." O.K., dieser Satz, der sich in den meisten Mesh-Kritiken wiederfindet, sei hiermit gesagt, dann kann es ja los gehen. Schließlich bieten die Bristoler Jungs mehr als diesen Vergleich. "Who Watches Over Me?" ist nämlich eine wirklich gut gelungene Scheibe voll elektronischer Perfektion, gepaart mit gediegenen und gefühlvollen Gesangslinien.

Eingängigkeit ist eines der Hauptmerkmale der Briten. Das macht sich schon im ersten Song bemerkbar, wenn sich der Gesang mit Macht in die Ohren drückt, und wird auch bei "The Place You Hide" klar deutlich, dessen Refrain man schon beim zweiten Hören unwillkürlich mitsingen will. Ob Mesh tatsächlich düstere Musik machen, ist eigentlich fraglich. So klingt "Four Walls" zwar dunkel und melancholisch, ebenso wie "The Trouble We're In", und auch "What Does It Cost You?" wartet mit einer leichten Verzweiflung auf. Doch selbst Verzweiflung bleibt bei Mesh immer schimmernd, nichts wird dreckig präsentiert, sondern jedes Gefühl geschliffen und in einen klaren Mantel aus Strukturen und abstrakter Schönheit gepackt. Im Vordergrund scheint immer die Musik als Kunstwerk zu stehen.

Absoluter Höhepunkt der Platte ist "Little Missile". Dieser Song alleine lohnt den Kauf der Scheibe. Schon das Klavier-Intro lässt aufhorchen, der Gesang reicht von verfremdetem Knarzen bis hin zum klaren und reinen Refrain, der Stereo-Sound ist schwebendes Erlebnis und der Griff zur Repeat-Taste unausweichlich. Auch "Friends Like These" begeistert besonders. Durch seinen treibenden Beat bekommt der Song einen packenden und fast epischen Charakter.

Mesh ist mit dieser Platte zur Zeit folgerichtig auf jedem Cover dark-angehauchter Musikzeitschriften zu finden. Manche Dinge müssen eben nicht mehr neu erfunden werden, sondern nur mit frischem und gelungenem Material bedient. Und für alle Dark-Wave-Fans und sonstige Liebhaber melodischen Electros ist die Platte ein Glücksgriff.

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