We Collide
CD

(Oliver Ding, Plattentests Online)

Radiowellen

Das alte Spiel von Unschuld und Dunkelheit ist auch auf dem fünften Studioalbum von Mesh das Maß vieler Dinge. Die Synthesizer blinken dazu monochrome Klangfarben, als wäre es nicht schon vier Jahre her, daß die Briten zuletzt für "Who Watches Over Me?" ihren Maschinenpark so prächtig geölt hatten. Dabei ist einiges passiert in der Zwischenzeit: Manche der Kollegen, die ebenfalls so verächtlich dem "Weiberelektro" zugerechnet wurden, tun jetzt so, als seien sie finstere Rocker. Im Gegensatz zu Apoptygma Berzerk brauchen Mesh jedoch kein ballermanntaugliches The-House-Of-Love-Cover, um sich mit fremden Britpop-Farben zu schmücken.

Denn all das Werkzeugkastengeklapper kann und will nicht verdecken, daß die drei Briten das gleiche Romantikverständnis mit der Muttermilch verabreicht bekommen haben wie einst New Order, The Cure oder selbstredend Depeche Mode. "We Collide" macht entsprechend wenig Anstrengungen, diesen Eindruck zu verwischen. Die gar nicht mal mehr dezent rockige Seite der Band hat Selbstbewußtsein getankt. Fleißig wurden die Gitarren gesamplet und zu knackigen Riffs zusammengeschweißt, um sie auf Mausklick einzubauen. Wenn die Rhythmen dabei nicht derart auf Stromlinie getrimmt wären, ginge das mitunter glatt als Rock durch.

Mark Hockings mit Verzweiflung gesüßte Stimme mag sich vielleicht nicht so exaltiert geben wie die jener Kollegen, die gerade mit New-Wave-informiertem Gezappel reüssieren. Dabei können Minidramen wie "This Is What You Wanted" oder "What Are You Scared Of?" melodisch locker mithalten. Die Refrains nutzen die Breite geschickt aus, die ihnen die klar konturierten Arrangements geben. Und beinahe jeder Song kitzelt den Mitsummreflex wie jene Feder, die auch das Uhrwerk antreibt, in dessen beständigen Takt Mesh ticken.

Der Gefahr, der Textur zuviel Anteil am eigenen Klangverständnis einzuräumen, entkommen Mesh auch unter der prestigeträchtigen Aufsicht von Gareth Jones (Depeche Mode, Wire, Einstürzende Neubauten). So sehr die klangliche Sorgfalt auch immer wieder für mulmig-schöne Untertöne sorgt, so sehr steht doch auch auf "We Collide" der Song im Mittelpunkt. Obwohl die muntere Single "Crash" die Zeichen auf etwas oberflächlich tanzbare Kollision setzt, verschmelzen Pop und Wave meist auf angenehm subtile Art. Das gelingt zwar nicht immer so eindrucksvoll wie bei dem Dreier aus "No Place Like Home", "Petrified" und "Rest In Pieces", aber das Schattenzappeln geht mit "We Collide" trotzdem angenehm geschmeidig in die nächste Runde.

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