We Collide
CD

(Stefan Egger, Musicchannel)

Depeche Mode können abdanken!

Wer mit Produzenten charakteristischer Bands ins Bett geht, wird mit ungeliebten Vergleichen aufwachen. Die britischen Retro-Popper Mesh dürfen sich also bei Gareth Jones bedanken, seines Zeichens Tontechniker und Produzent zahlreicher Depeche Mode-Alben. Allerdings gibt es wahrlich schlimmeres, als dass ein top-produziertes Album nach einer der größten Bands der Achtziger klingt. Mark, Neil und Rich haben dann auch wesentlich mehr zu bieten als aufgewärmten Synthie-Pop aus der Mikrowelle. Das fängt bei den intelligenten Texten an, die schon mal gesellschaftliche Ereignisse wie einem schockierenden Mord an zwei zehnjährigen Mädchen verarbeiten ("Can You Mend Hearts"). "Some people meet. Some people collide", meint Sänger Mark dazu – es geht um das Miteinander.

Einer der prägnantesten Songs auf Meshs siebten Album "We Collide" ist "This Is What You Wanted", den man durchaus auch mehrmals laufen lassen kann. Mesh klingen bekannt und dennoch aufregend neu. An diesem Titel kann man schon erkennen, dass der emotionale Gesang im Vordergrund steht und von Synthesizer-Klängen und treibenden Rhythmen untermalt wird. Die erste Single "Crash" ist schneller und noch etwas düsterer, schließlich geht es darin um alle Arten von Überraschungen, die das Leben mit sich bringen kann. "The World’s A Big Place" heißt dann noch der finale Hidden Track, und damit ist wohl auch das weitläufige musikalische Universum von Mesh gemeint.

Gareth Jones hatte auf "We Collide" übrigens erstmals seine Finger bei Mesh im Spiel. Im Gespräch war er bereits beim Vorgänger-Album "Who Watches Over Me?", das schließlich ohne ihn realisiert wurde. "Damals hatten wir noch Bedenken, ob eine Zusammenarbeit mit Gareth eine so gute Idee sei, gerade wegen seiner Nähe zu Depeche Mode", verrät Rich. Jones’ Mitarbeit am aktuellen Embrace-Album und ein persönliches Treffen bei einem Konzert in London überzeugte die Jungs dann doch von seinen Qualitäten. Er nahm in London mit Mark die Gesänge auf und mischte dann im Studio die Tracks mit Mesh. "Er arbeitet sehr schnell, intuitiv und präzise und besitzt ein tolles Gehör, um das jeweils Wichtigste eines jeden Songs in den Vordergrund zu stellen."

In Summe klingt das neue Album rauer, ambitionierter und energetischer. Die Brüche sind durchaus gewollt und sollen die Zuschauer aufrütteln. Oder wie Mesh selber meinen: "Besser wir wecken von Zeit zu Zeit auf, anstatt zu perfekt oder zu entspannend zu klingen. Wir wollten ein Album produzieren, das echten Biss hat."

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