We Collide
CD

(Florian, Medienkonverter)

Tja, da rotierte sie nun - die "Neue" von mesh, lange und sehnsüchtig erwartet: "We Collide". Doch halt, wie hört die sich denn an? So ganz anders, als man es von den Erstlingen gewohnt war und auch noch anders als der 2002er "Who Watches Over Me?": Glatt, poliert, wie ein Hochglanzheftchen - nichts sperriges, eckiges, dreckiges à la "The Point At Which It Falls Apart" wie ich es liebte und gehofft hatte... "Popmusik!..." schoß es mir durch den Kopf. Na, ja der Opener "Open Up The Ground" geht ja immerhin ein wenig in die Beine. Einmal durchgehört, aber das Glücksgefühl will sich noch nicht so recht einstellen... Das gibt's doch gar nicht!

Die nächste Autofahrt, die sollte es zeigen und siehe da! Kaum hatte man ein wenig mehr Ruhe um sich herum, schon wuchsen die Songs, entfalteten Ihren ganzen Charme und es war passiert - ich hatte mich in das Album verliebt. Mehr noch - ich merkte, das war das Beste was die 3 Briten je abgeliefert haben. In gewisser Weise fühle ich mich zu dem Zeitpunkt zurück versetzt, als ich die "Originals 91-93" das erste Mal hörte und mich beim ersten Hören ein ähnliches Gefühl beschlich - nicht ganz so stark, aber das schreibe ich der zunehmenden Erfahrung von Neil Taylor, Mark Hockings und Rich Silverthorn zu, die bei "We Collide" namhafte Unterstützung durch niemand geringeren als Gareth Jones erfahren haben (auch wenn 90% der Arbeit schon durch sie selber geleistet wurden).

Was ist "We Collide" nun? Man konnte des öfteren lesen, dass "We Collide" vom Aufeinandertreffen verschiedenster Menschen handelt und generell dem, was Menschen fähig sind, einander anzutun. Ein tiefgehendes Thema, aber noch tiefgehender, vielschichtiger und mehrdeutig sind die Texte aus der Feder von Mark Hockings diesmal. Sie lassen so viel Spielraum für Interpretationen, daß jeder seine eigenen Geschichten und Erlebnisse in die Songs hineindenken kann - eine Stärke, die mesh schon früher ausgezeichnet hat und m.E. auch zu einem großen Teil zu ihrer Beliebtheit beiträgt. Musikalisch strotzt "We Collide" nur so vor ausgereiftem Songwriting. Ganz mesh-typisch die hymnenartigen Refrains mit Ohrwurmcharakter, die zu keiner Zeit aufdringlich wirken.

Sehr interessant ist auf "We Collide" der verstärkte Einsatz von Gitarren (der sich auch Live bemerkenswert harmonisch einfügte), der beim ersten Hören so gut wie gar nicht zu mir durchgedrungen ist, aber nach mehrmaligem Hören enorm zu der Fülle und Tiefe der Songs beigetragen hat. Hinzu kommen noch die charakterischen elektronischen Soundtüfteleien und fertig ist ein Album, auf das es sich zu warten gelohnt hat. Nur in Deutschland ist eine Limited Edition von "We Collide" erhältlich, die auf DVD noch diverse Livemitschnitte sowie eine Kurzdoku und Demoversionen von Songs enthält. Allein schon die Gestaltung als kleines Büchlein läßt diese Edition zu einem kleinen Gesamtkunstwerk mutieren. Das Artwork von Neil Taylor kann sich erneut sehen lassen - bisher konnte er jedem Release mit seiner Gestaltung einen unverwechselbaren Stempel aufdrücken.

"We Collide" ist viel: Großes Songwriting mit intensiven Texten, Popmusik und Klassiker. Für mich ein Meilenstein in der Bandgeschichte von mesh. Live haben die ohnehin tollen Songs nochmals enorm gewonnen. Anspieltips erspare ich mir an dieser Stelle einmal. Leider kommt ein solches Album nach einer enorm langen Pause, in der die Aufmerksamkeit der großen Öffentlichkeit, die mesh mit "Who Watches Over Me?" und den vorangegangenen Veröffentlichungen erreicht hatten, leider schon wieder etwas zurückgegangen ist. Der schwierige Start mit neuem Label tat sein Übriges. Bleibt zu hoffen, daß die Drei doch noch irgendwann das bekommen, was sie verdienen: Viel Beachtung.

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