Depeche Mode der 80er Jahre

Mit "Mesh" bezeichnet man in englischsprachigen Ländern die Maschenweite, hauptsächlich bei Sieben. Mesh ist jedoch viel mehr. Wir werfen einen Blick nach England: Bristol, 433.000 Einwohner, hat schon viele Persönlichkeiten hervorgebracht, von Piraten und Freibeutern im Mittelalter bis hin zu dem heute sehr bekannten Künstler Damian Hirst, dem Tenor Paul Potts, jeder Menge Fußball- und Schauspieler sowie dem Synthpoptrio Mesh, das bereits seit 1991 erfolgreich in die Tasten haut.

Oftmals wurden die Engländer mit ihrer musikalischen Mischung aus emotionalem Gesang, Synthieklängen und eingängigen Melodien mit den Depeche Mode der 80er Jahre verglichen, was einerseits ein Ritterschlag ist, andererseits natürlich große Erwartungen weckt. Auch De/Vision und Nine Inch Nails werden oft in einem Atemzug genannt. Das liegt nichtmal so weit entfernt, waren Mesh doch bereits 1998 mit De/Vision auf Tournee. Klingt die Band immer noch unbekannt in euren Ohren? Nun, Erfolge haben Mesh bereits reichlich verbucht, denn die Engländer bringen bei internationalen Festivals mehrere Tausend Leute vor die Bühne und selbst auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig waren sie 2003 und 2006 schon zu Gast, ebenfalls auf dem M'era Luna in Hildesheim. Auf den Konzerten in London kommt da schonmal hochrangiger Besuch in Form von Martin Gore oder auch Robbie Williams. Beinahe konstant arbeiten Mesh an ihren Platten und haben so seit 1996 zahlreiche Werke veröffentlicht, zuletzt 2011. Nach "A Perfect Solution" 2009 und "An Alternative Solution" 2011 steht nun ein neues Baby in den Startlöchern, und dafür diente ein ziemlich aktuelles Konzept: Auf "That's Automation, Baby!" dreht sich alles um eine Protagonistin, die unsere Generation und unseren Umgang mit der digitalen Welt mehr als gut und auch kritisch reflektiert - echte Freunde werden durch digitale Unbekannte ersetzt, wer nervt fliegt aus der Freundesliste, das echte soziale Leben wird beinahe unwichtig, man gibt seine wahre Identität immer mehr auf, um sich im Internet für Fremde bestmöglich zu präsentieren und vielleicht auch seine 15 Minuten Ruhm abzubekommen. Auch der Konsum, der durch Onlinebestellungen mittlerweile viele junge Leute in die Schuldenfalle lockt, wird mit thematisiert. Inhaltlich wie auch musikalisch haben Mesh mit "That's Automation, Baby!" ein vielfältiges Album komponiert, das sowohl ruhigere Stücke als auch krachende Tanznummern anthält - ganz Depeche Mode-like eben. Die erste Singleauskopplung "Born To Lie" hat gut bewiesen, dass Mesh auch nach 21 Jahren Bandexistenz noch gut Stimmung machen und auch mit Songs wie "Just Leave Us Alone" , das etwas tempoärmer ist, als auch mit "What's Owed To You", das sicherlich hierzulande in vielen Clubs gespielt werden wird, ihren Sound weiter entwickelt haben.

Den Entstehungsprozess des Albums haben Sänger Mark Hockings und Richard Silverthorn in weiten Stücken von einem Kamerateam begleiten lassen, um den Fans viele Einblicke in die Produktion eines Musikalbums zu gewähren. Ein Schritt, den mittlerweile immer mehr Musiker wagen und der immer wieder interessante Impressionen gewährt. Dass an der Produktion und an der Perfektionierung des Songwritings auch Olaf Wollschläger beteiligt war, der unter anderem auch bei Melotron und In Strict Confidence seine Finger im Spiel hatte, ist ein weiteres gutes Argument, dass Mesh mit "That's Automation, Baby!" einen weiteren Volltreffer gelandet haben, der sie wieder auf die großen Bühnen Europas treiben wird. Die Briten haben mit ihrem zeitkritischen Werk eine wirklich große Granate gezündet, die hoffentlich einige wachrütteln wird und dennoch bei vielen auch zum Tanzen animiert. "Wir glauben, dass dieses Album ein sehr großer Schritt für Mesh war. Der Sound ist moderner, treibender und variabler geworden", sagt Sänger Mark Hockings. Damit behält er absolut Recht. That's Automation, Baby!

Saskia Pompe, nachtaktiv (Issue 12)

back