MESH bedarf wohl keiner Beschreibung mehr, sind die Briten über ihre Heimat hinaus wohl bekannt. Astrid führte mit beiden ein langes Telefonat und quetschte die beiden einmal so richtig aus. Wie die beiden musizieren, wie es zum Labelwechsel kam, worin sie Inspiration finden und vor allem, was es mit der Mütze auf sich hat, das steht in den folgenden Zeilen...

Hallo Richard. Danke, dass du dir etwas Zeit nimmst, um unsere Fragen zu MESH und dem kürzlich erschienenen Album "A Perfect Solution" zu beantworten.

Rich: Kein Problem!

Falls es da draußen tatsächlich noch Leute geben sollte, die euch noch nicht kennen, so bitten wir dich, MESH einmal mit ein paar Worten zu beschreiben.

Rich: Nun, wir sind ein Duo aus Bristol / UK, bestehend aus mir, Richard Silverthorn und Mark Hockings. Im Grunde sind wir beide Programmierer, aber ich denke, in den letzten Jahren habe ich die Rolle des Studiomusikers übernommen und Mark ist der Songwriter.

Wie seid ihr auf den Bandnamen "MESH" gekommen und was bedeutet dieser?

Rich: (lacht) Das wird leider eine sehr langweilige Antwort. Wir beiden waren schon vor MESH in Bands tätig und hatten beide schon immer Probleme mit der Namensfindung. Man verbringt mehr Zeit damit, einen anständigen Namen zu finden, der nach etwas klingt man kann zu viel Zeit damit verbringen. Als wir zusammen saßen und uns über den Bandnamen Gedanken machten, sagte Mark ganz einfach "Mesh". Und wir beide sagten uns: "Yep, das ist ok!". Es gibt keine Bedeutung für dieses Wort. Es war buchstäblich eines dieser Worte, die wir einfach gut fanden. Wir wollten keine Band, die mit einem "The" beginnt und somit wurde es ein sehr kurzes Wort.

Aber MESH bedeutet doch irgendetwas, oder?

Rich: Ja, so etwas wie ein Netz oder eine Art Netzwerk.

Na dann passt der Name ja zu euch ...

Rich: Ja richtig. Manche Leute sagten, dass in "MESH" all die verschiedenen Geräusche und einfach alles miteinander verbunden ist. Meiner Meinung nach war es nie unsere Absicht, so zu sein. Aber es ist eine ganz gute Analogie. Es ist ein ganz gutes Wort.

Im Oktober 2006 verließ Neil Taylor aus persönlichen Gründen die Band. Wie seid ihr mit dieser Situation damals umgegangen?

Rich: Es war wie ein Schock für uns. Aber wenn ich ehrlich bin, wenn jemand gesagt hätte, jemand muss die Band verlassen, so hätte ich auf Neil getippt. Zum Ende schien er nicht mehr ganz glücklich in seiner Rolle. Wie ich eben schon erwähnte, ist die Aufteilung innerhalb der Band so, dass ich der Studiomusiker bin, Mark ist der Songwriter und Neil war mehr Business-Mensch. Er war der Organisator, nahm die Anrufe entgegen und kümmerte sich um das Geld und solche Dinge. Ich glaube, es war wirklich schwer für ihn. Jedes Mal, wenn wir Live-Shows hatten, fühlte er sich ein wenig verfremdet, glaube ich. Er stand da und spielte Musik, an welcher er nicht wirklich beteiligt war. Also entschied er sich zu gehen. Er hatte genug von der ganzen Musik-Sache und er wollte Abstand gewinnen und ein normales Leben führen. Auch Mark und ich sind verheiratet. Wir haben Kinder und Familien. Gut, wir waren in einer Band und ich denke, dass Neil sehr damit zu kämpfen hatte, und so musste er Abstand von dieser Band gewinnen und ein normales Leben führen. Mittlerweile ist auch er Vater geworden.
Aber es war ein Schock. Ich meine, wir haben damit gerechnet und als er es dann letztendlich wirklich gemacht hat, war es für uns sehr überraschend. Wir hatten gerade ein Album released und hatten den ersten Teil unserer Europa-Tour hinter uns und er entschied sich zu gehen. Und wir hatten eigentlich noch einige Festival-Gigs und den zweiten Teil der Tour vor uns. Das war für uns ein großes Problem, aber das haben wir durchgestanden.

Neil war auch verantwortlich für das Artwork, richtig?

Rich: Ja, das war er. Und das war auch etwas, womit wir dann Probleme hatten. Er machte von Anfang an die Artwork für uns. Also mussten wir bei diesem Album jemanden finden, der versteht, was wir erreichen wollten. Ich denke, letztendlich haben wir das auch. Das Artwork ist sehr MESH-like geworden und ich bin froh, dass wir es geschafft haben, eine andere Person dafür zu finden.

Euer neues Album "A Perfect Solution" handelt ja ganz offensichtlich von zerbrochenen Beziehungen. Geht es da hauptsächlich um Liebesbeziehungen oder auch um den Prozess der Trennung von Neil Taylor?

Rich: (lacht) lacht) Ohje, was soll ich dazu sagen. Die Art in der Mark schreibt die ich übrigens für sehr clever halte ist nun einmal so, dass er es den Leuten überlässt, in verschiedene Richtungen zu interpretieren. Ich denke, das ist die Ästhetik beim Songwriting. Die Leute können es auf sich beziehen und sie sehen es auf ihre Art und Weise. Und vielleicht ist ja die wahre Bedeutung eine ganz andere, als die, die sie vor sich sehen. Deswegen verraten wir auch nie, worum es in unseren Songs geht. Aber klar, es gibt bestimmte Elemente, die mit Neils Weggang zu tun haben. Mark schreibt prinzipiell über eigene Erfahrungen und Erlebtes. Nicht alle sind natürlich unbedingt seine persönlichen Erfahrungen, sonst wäre er wenn man die Songs so ansieht - ein ziemlich deprimierter Mann, denke ich.

Mit Eurer Single "Only Better" und dem neuen Album zeigt ihr eine härtere und düstere Seite. "Shattered Glass" ist zum Beispiel sehr gitarrenlastig. Was könnt ihr uns zu eurem neu entdeckten Selbst sagen?

Rich: Ich bin diese Frage wirklich oft in letzter Zeit gefragt worden und ich denke, wir sind einfach selbstsicherer geworden. Als wir damals anfingen, haben die Leute immer gesagt, dass wir wie diese oder jene Band klingen. Aber über die Jahre haben wir unseren eigenen Sound gefunden. Und diese ganze Gitarrengeschichte ist irgendwie witzig, weil wir Gitarren schon von Anfang an benutzt haben, genau wie akustische Drums. Aber wahrscheinlich haben wir die immer recht leise gemischt, weil wir sie nie besonders gemocht haben. Über die Jahre sind wir sicher einfach selbstsicherer geworden, dass Gitarren und verschiedene Instrumente zusammen harmonieren. Also warum sollten wir sie dann nicht auch einmal ein bisschen mehr in den Vordergrund rücken?
Die Leute denken, wir hätten uns verändert, aber das haben wir eigentlich gar nicht. Wir mixen es einfach etwas anders. So verhält sich das auch mit der Liveshow. Ich meine, früher haben wir uns immer hinter unseren Keyboards versteckt, vielleicht, weil wir kein Selbstvertrauen hatten. Jetzt haben wir uns dafür entschieden, dass wir das alles ganz gut live umsetzen können, also haben wir es einfach gemacht. Ich habe angefangen, Gitarre zu spielen und wir haben auch einen Livedrummer. Das regt vielleicht viele der Puristen da draußen auf, also die, die elektronische Musik lieben und die jetzt sagen: "Oh, ihr habt euch in eine Rockband verwandelt!" Aber das haben wir überhaupt nicht.

Was steckt hinter dem Albumtitel "A Perfect Solution"?

Rich: Das ist eigentlich ganz lustig. Normalerweise ist der Albumtitel buchstäblich das letzte, was wir machen, wenn wir ein Album schreiben. Wir sind dafür irgendwie berüchtigt und die Plattenfirma war ziemlich angenervt von uns, weil wir nie einen Titel genannt haben. Dieses Mal hatten wir den Titel ziemlich früh festgelegt, was ungewöhnlich für uns ist. Ich denke, das hat uns aber auch geholfen, dem Album eine Form zu geben. Wir hatten die Überschrift "A Perfect Solution" und wussten damit, wo wir mit dem Album hin wollten.
Ich denke, das Album fasst zusammen, was allen Beziehungen gemeinsam ist. Egal ob sie gut oder schlecht sind, die Leute haben heftige Diskussionen. Und das ist es, was sie letztendlich auseinander bringt oder doch am Ende auf die eine oder andere Art zusammenhält. Und das ist dann vielleicht die "perfekte Lösung". Wenn man z. B. den Track "Who Says" anhört also den Song, den wir mit Julia aufgenommen haben ist der für mich beinahe die Quintessenz des ganzen Albums. Wir kommen miteinander aus oder wir regen uns übereinander auf. Aber das ist es, was es manchmal einfach funktionieren lässt. Möglicherweise ist das die perfekte Lösung. Wir lieben einander aus diesem Grunde, und ich denke, deswegen ist das auch ein guter Titel für ein Album.

In "Everything I Made" seid ihr sehr reflektiert. Singt ihr da über eigene Erfahrungen oder über die anderer Leute?

Mark: Das ist schon fast ein selbstkritischer Song. Es geht darum, dass man Leute enttäuscht und Dinge nicht macht, die man hätte tun sollen und die Dinge, die vielleicht dein Potential als Person ausgemacht hätten. Und Dinge, die man in einer Beziehung zu anderen Menschen macht. Dieses Stück war eigentlich sehr einfach zu schreiben, weil es ein kleines Stück von mir selbst ist. Ich bin sehr involviert in vielen Dingen meiner Arbeit und anderen Sachen, die ich so noch mache. Wenn man mit so vielen Dingen neben der Familie und den Freunden beschäftigt ist, dass man ihnen nicht ausreichend Zeit widmen kann, dann fühlt man sich manchmal so, als würde man sie vernachlässigen und enttäuschen. Und das kommt in dem Song zum Ausdruck.

Bereust du denn viele Sachen in deinem Leben? Und wenn du die Möglichkeit hättest, noch einmal in der Zeit zurück zu gehen, würdest du Sachen anders machen oder würdest du eher sagen, dass alles im Leben seinen Sinn hat?

Mark: Manchmal denke ich, dass man auf bestimmte Sachen zurückblickt, die man gemacht hat und denkt, "Ich hätte das anders machen können; ich könnte jetzt woanders sein". Aber wenn ich die ganzen Wege zurückverfolge, dann denke ich, dass ich am besten Platz stehe, an dem ich sein kann. Ich denke, das sind zwei verschiedene Denkansätze. Ich bin glücklich mit dem, was ich bin und ich kann mir nicht vorstellen, noch glücklicher zu sein. Aber im selben Moment denke ich auch, ich hätte etwas anders machen können. Als ich jünger war und die Schule verlassen hatte, konnte ich mir nicht mal vorstellen, etwas anderes zu machen. Aber zugleich, wenn ich sie nicht gemacht hätte, wäre ich auch nicht da, wo ich heute bin.
Ich habe immer hart gearbeitet. Manchmal fällt man einfach Entscheidungen aus der Angst heraus, etwas zu ändern. Viele Leute machen das. Ich denke nicht, dass irgendjemand wirklich von sich behaupten kann "Ich wünsche mir niemals, dass ich mich anders entschieden hätte wie ich es damals getan habe". Das wäre ziemlich außergewöhnlich. Ich denke, die meisten Leute lügen, wenn sie das sagen. Manchmal denke ich, ich hätte in die Forschung gehen sollen oder ich hätte ins Ausland gehen sollen. Aber wenn du auf das schaust, was du bist und glücklich damit bist, ist das eine wirklich schwierige Frage. Ja und Nein... (lacht)

"Only Better" ist eine recht sarkastische Art und Weise, über jemanden zu singen, der gegangen ist. Was könnt ihr uns über diesen Song erzählen?

Mark: Der Song ist schwierig zu verstehen. Es ist kein richtiges Liebeslied. Das sind nur ein paar Zeilen darunter. Ich schätze mal, es ist ein Blick auf eine Person, die im Begriff ist zu gehen oder dich zu verlassen scheint und du kannst es einfach nicht verstehen, wieso jemand so viel Zeit oder soviel seines/ihres Lebens investieren kann und dann einfach wegrennt. Ich war in einer ähnlichen Beziehungssituation, aber ich stand auf der anderen Seite. Ich habe viel Zeit in eine Beziehung gesteckt und dann bin ich einfach weggelaufen und habe einen Schlussstrich drunter gezogen. Das ganze Leben ist wie eine Straße. Manchmal ist sie einfach versperrt, und ich glaube, davon kommt so etwas. Die Schwäche, die man fühlt, ist fast wie das Gefühl des Verlustes und des kompletten Umbruches, der einfach so über Nacht gekommen ist. Es ist nicht so, wie der Tod einer Person oder so, aber du musst dein Leben plötzlich wieder von ganz vorne anfangen. Der Song ist von dem Blickwinkel geschrieben, in dem ich mich befunden habe. Vielleicht ist es eine Art Selbstbetrachtung von Dingen der Vergangenheit, die ich einfach niedergeschrieben habe.

Bei "Who Says" habt ihr das erste Mal mit einer Gastmusikerin gearbeitet. Kam die Idee dazu vom Grundgedanken des Albums "Zerbrochene Beziehungen"?

Rich: Die eigentliche Idee kam, als ich die Musik zu "Who Says" geschrieben habe und sie Mark gegeben hatte. Er kam mit dem Song zurück und sang ihn im Studio. Weil er immer wieder diese eine Zeile wiederholte, hatte ich die Idee und sagte, dass das richtig cool sein könnte. Das ist schon ein gutes Argument, wenn einer etwas sagt, während der andere gerade dasselbe sagen wollte. Ich meinte nur, dass es interessant sein könnte, wenn jemand anderes den zweiten Part singen würde. Wir kannten Julia schon sehr lange und wir sind gute Freunde. Ich rief sie an uns sagte: "Hey, wir haben es wirklich eilig. Könntest du vielleicht, wenn ich dir den Track schicke, da etwas singen, im Studio aufnehmen und zurückschicken?". Das tat sie. In gerade mal nur zwei Tagen hatte sie das in einem Studio in Deutschland aufgenommen und mir per Internet zurückgeschickt, wo ich es in den Track einbaute. Und es war richtig cool. Es harmoniert sehr gut miteinander, wie zwei Leute, die miteinander reden.

Mark, woher nimmst du die Inspiration für die Songs? Sind das nur deine eigenen Erfahrungen oder auch die anderer Leute?

Mark: Weder noch. Ich denke, man folgt einfach einem Pfad. Das kann alles sein. Da sind einige verschiedene Dinge, die da reinspielen. Ich höre normalerweise die Musik und entweder ist die schon fertig oder ich spiele einfach damit herum. Dann tauchen da einfach Wortfetzen oder Verse auf und du gehst einfach zurück zum Anfang und versuchst herauszufinden was es war, das sie zum Vorschein gebracht hat.
Das ist sehr schräg. Manchmal hat man einfach keine Idee. Aber so schreibe ich halt. Andere Leute machen das anders. Aber ich mag es, einfach nur zu fühlen, was aus der Musik zu mir spricht. Dann ist da plötzlich eine Idee aus der alles entsteht. Sie kommt einfach von irgendwoher. Es klingt seltsam, aber so ist es. Das ist mein Talent und das ist, was ich in die Musik einbringe. Ich kann Songs dazu bringen, sich selbst zu schreiben.

Seit diesem Jahr habt ihr ja einen Vertrag mit Stefan Herwig und seinem Label Dependet. Wie kam es zu dem Wechsel?

Rich: Wir waren ja bei Sony Columbia gesignt. Nach "We Collide" lief unser Vertrag aus. Ich habe damals zu Mark gesagt, dass es das Beste wäre, wenn wir uns Zeit nehmen, ein gutes Album schreiben und danach erst ein Label suchen würden. So haben wir das dann auch gemacht. Wir haben ein Album gemeinsam geschrieben, ohne ein Label oder das Geld von irgendwelchen Leuten. Und kurz vor der Fertigstellung haben wir unseren Manager gebeten, jemanden zu finden, der es veröffentlichen will. Vier oder fünf Labels wollten uns wirklich signen und das Album machen. Das war eine gute Verhandlungsposition für uns, weil wir die Wahl hatten und uns jedes Label genau ansehen konnten. Und wir waren bei Sony, aber wir haben realisiert, dass es nicht um das Geld oder das Label geht. Es geht eher um die Leute, mit denen du arbeitest und ihr Glaube und die Hingabe an das, was du machst. Als wir dann lange mit den ganzen Leuten geredet hatten, sind die nie zu diesem Punkt gekommen. Als wir mit Stefan gesprochen haben, war er vollkommen aufgebracht. Er hatte unsere Karriere verfolgt, wusste alles über uns und bewunderte ernsthaft, was wir machen, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir ja noch normale Jobs haben. Er sagte: "Es ist erstaunlich, es so weit gebracht zu haben, ohne es in Vollzeit zu machen!". Er war sehr ehrlich und wie eine Brise frische Luft für uns. Aufgrund dessen wollten wir mit ihm arbeiten. Stefan ist ein sehr cleverer Mann, wenn es um die Szene und das ganze Musikbusiness geht.

Nachdem ihr am Anfang euer eigenes Label gegründet hattet, habt ihr mehrfach gewechselt. Warum? Und habt ihr das Gefühl, dass ihr nun ein dauerhafteres Zuhause bei Dependent gefunden habt?

Rich: Ich hoffe das doch sehr, ja. Am Anfang ist man wie jede Band einfach nur heiß darauf, eine CD herauszubringen. Wir haben unser eigenes Label gegründet, um die Sachen zu veröffentlichen. Wir haben dann plötzlich gemerkt, dass es einfach zu viel ist, das alles allein zu machen. Mememto Materia kam auf uns zu und bot uns einen Vertrag in Schweden an. Nach vier Jahren dachten wir dann, es wird Zeit, mit einem größeren Label zu arbeiten. So sind wir zu Sony Columbia gekommen. Für eine Band wie uns in dieser Szene ist es irgendwie unglaublich, einen Deal bei einem Major zu bekommen. Aber das war ein Vertrag für zwei Alben. Und nach den beiden Alben haben wir entschieden, weiter zu ziehen und es anders zu machen. Da sind wir nun bei Dependent angekommen. Wir sind einen vollen Kreis gelaufen, von einem Independent Label zum Major und wieder zurück. Aber wir fühlen uns wohl dabei. Bei Sony konnte man nicht einfach mit jemandem reden, da ist man einfach nicht wichtig. Stefan ist eher wie ein Partner und es ist schön, auf diesem Level zu arbeiten.

Das neue Album ohne ein Label zu schreiben, muss sich sicher sehr frei und ungezwungen angefühlt haben, da ihr machen konntet, was ihr wollt...

Rich: Definitiv. Um ehrlich zu sein, hatten wir in der Vergangenheit eigentlich immer Glück, dass die Labels sich nicht zu sehr hinein gehangen haben. Vielleicht hatten sie ab und zu am Ende hier und da ein paar kleine Änderungswünsche, um es radiotauglicher zu machen oder so. Aber mit diesem Album hatten wir wirklich die absolute kreative Freiheit und wir haben das gemacht, worauf wir Lust hatten. Zu dem Zeitpunkt, als es die Labels gehört haben, war es schon fast fertig. Und es fühlt sich für mich emotional näher an, als alles, was wir vorher gemacht haben.

Wir ihr selber sagt, seid ihr von frühen Electro-Bands wie Depeche Mode oder Nitzer Ebb beeinflusst. Was beeindruckt euch so sehr bei diesen Bands? Und was inspiriert euch?

Rich: Ich denke, das war der Fall bei vielen Bands und einfach die Tatsache, dass es damals alles so neu war. Ich erinnere mich, dass ich eine Menge Musik gehört habe, aber so richtig intensiv habe ich erst z.B. Gary Numan erlebt. Es war so anders als alles, was ich vorher gehört hatte, mit den Synthesizern in dieser Art. Und so war es mit allen diesen Bands, die damals aufkamen, z.B. Yazoo oder Depeche Mode. Yazoo hat mich sehr stark beeinflusst, weil es das erste Mal war, dass elektronische Musik wirklich eine Seele hatte. Alles, was damals so erschien war einfach nur erfrischend anders. Ich war so gelangweilt von den ganzen Gitarrenbands und als das mit der Elektronik anfing, zog es mich in ihren Bann. Besonders diese nicht-kommerziellen Bands wie Portion Control, DAF, Fad Gadget und diese etwas schrägen Bands.

Die offizielle Mesh-Fanclub-Seite hat ein tolles Feature: Die Fans können euch ihre Frage direkt senden. Wie wichtig ist euch der enge Kontakt zu euren Fans?

Rich: Absolut wichtig. Über die Jahre haben wir uns eine recht gute und loyale Hörerschaft erarbeitet. Wenn wir herumreisen und Shows spielen, dann sehen wir oft dieselben Leute vor uns. Das ist brillant, ich liebe es. Ich liebe diese ganze Interaktivität und auch die Leute nach der Show zu treffen. Sie lassen mich ihre Anerkennung spüren und es ist einfach großartig, das zu erleben. Ich versuche immer, auch das Publikum mit einzubeziehen. Wir haben gerade ein paar Ideen für ein Video und wollen dafür die Fans mehr mit ins Boot holen. Man muss sich um die Leute kümmern, denn sie haben es ermöglicht, dass wir jetzt hier stehen, wo wir sind. Das sind richtig tolle Menschen!

Erhaltet ihr viele Fragen?

Rich: Durch diese interaktive Welt, mit MySpace und anderen Dingen, bekommen wir immer sehr viele Fragen. Aber MySpace ist sicher das wichtigste Portal dafür. Wenn ich mich da einlogge, da sind immer einige Dinge zu beantworten, zu ändern oder an die Leute rauszuschicken. Ich denke, es ist ein großartiges Medium, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Die Leute schauen auf MySpace oder ähnliches nicht wie auf deine Webseite, weil sie sich hier einfach involviert fühlen. Sie können die Kommentare der anderen lesen und selber kommentieren. Das ist großartig!

Was war die verrückteste oder lustigste Frage überhaupt bisher?

Rich: Nun, ich will da nicht so viel drauf geben, aber (lacht) unglaublicherweise hatten uns drei Leute kürzlich angeschrieben. Sie seien so große Mesh-Fans, dass sie uns ihre Freundinnen für eine Nacht nach einem Konzert angeboten haben! Das ist natürlich nicht passiert. Aber da waren drei total verschiedene Typen, die uns das fast zur gleichen Zeit gefragt haben. Wir kriegen schon manchmal sehr schräge Sachen rein...

Ich würde gerne eine Fan-Frage hier noch einmal stellen, die Nicole 2006 gestellt hatte:
Mark, du bist ja der Meinung, dass Lieder von dem Textdichter am besten zu singen sind, weil er am besten weiß, wie er die Emotionen darum ausdrücken kann. Du hast diese wundervolle Coverversion von "Document" (Assemblage23) gemacht. Wie war das da mit dem Interpretieren der Texte? Ist es viel schwieriger gewesen, die Texte eines anderen Schreibers zu singen?

Mark: Ich muss zugeben, dass ich es genossen habe. Ich kenne Tom sehr gut und ich finde seine Sachen gut. Textlich ist er sehr gut und auch ähnlich in der Art wie ich schreibe. Bei diesem speziellen Track war das schon irgendwie seltsam. Ich hatte ihn einige Zeit, vielleicht ein paar Jahre nicht mehr gehört. Ich fand die Lyrics im Albumbooklet, machte die Coverversion und erst dann hörte ich mir das Original wieder an. Ich hab das Cover wirklich aus der Erinnerung heraus geschrieben. Ich mochte einfach diesen Text so sehr, weil er so traurig ist. Einige Lieder sind sehr traurig, aber zugleich auch kraftvoll. Manchmal kommt das bei ihm nicht so rüber durch die Art, wie er die Musik macht. Die Texte sind sehr emotional und die Musik aber sehr tanzbar - da kann man schnell die Message dahinter aus den Augen verlieren. Ich dachte, ich mache mal etwas, wo der Fokus wirklich auf dem Text liegt und ich meine, es hat gut funktioniert. Eigentlich wollten wir auch für diese Tour wieder einen Track covern, diesmal von Green Day textlich sehr gut und kraftvoll. Aber wir haben das zeitlich nicht mehr geschafft. Vielleicht machen wir das Cover später, nach der Tour.

Wenn ihr zurückblickt auf die Anfänge von Mesh und euch heute so seht, wie würdet ihr die Entwicklung von Mesh beschreiben? Welche Erfahrungen waren da besonders wichtig?

Rich: Ich denke, aufzutreten ist eine wichtige Erfahrung. Jedes Mal, wenn man auf Tour ist, wächst das Selbstvertrauen und das Wissen, was man tut. Ich denke, menschlich sind wir uns einfach mit der Zeit bewusst geworden, was da alles passiert. Am Anfang ist man sehr naiv. Du willst alles machen und hörst auf jeden. Über die Jahre lernst du, nur deinem Herz zu folgen mache, was du machen willst und was du denkst, das es richtig ist und hoffe, dass es den Leuten gefällt. Das ist die Position, in der wir heute sind. Deswegen mag ich auch dieses Album mehr als alles, was wir zuvor gemacht haben: weil wir es für uns gemacht haben. Wir sind keinem Trend gefolgt und haben nicht versucht, jemanden zu kopieren. Wir machen unser eigenes Ding und ich denke, das sollte jede Band tun, vor allem in dieser Szene. Da gibt es so viele Bands da draußen, die uns CDs zuschicken und sie klingen alle gleich. Sie versuchen alle, so Future-Pop-Zeug zu machen und fangen mittlerweile echt an, genau gleich zu klingen. Hört auf, so etwas anzuhören und macht euren eigenen Stiefel und hofft, dass die Leute darauf abfahren. Das haben wir auch gemacht. Ich denke, wir haben uns da nie geändert, wir sind einfach immer Mesh.

Auf der Tour werden euch "Informatik" supporten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Rich: Wir haben jemand sehr Interessantes für die Tour haben wollen. So viele Bands nehmen letztlich immer die gleichen Bands als Support mit. Wir mussten es einfach etwas anders machen. Früher haben wir dann immer Leute mitgebracht, die die Fans in Deutschland noch nie gesehen hatten: z.B. Iris aus Amerika, die wir schon seit Jahren verfolgten. Wir haben immer etwas Interessantes gesucht. Informatik kamen auf uns zu. Sie arbeiten mit Metropolis Records, die auch unser amerikanisches Label sind. Ich fand die Musik toll, weil es anders war. Und in Deutschland hat sie noch niemand gesehen. Das war für die Tour also ziemlich interessant.

Was kann man von der Tour und den neuen Shows erwarten? Habt ihr etwas Spezielles vorbereitet?

Rich: Ja, wir arbeiten grade daran und hoffen und beten, dass es funktioniert, weil es langsam verflucht kompliziert und technisch wird. Wir waren ja eine der ersten Bands, die Video in großem Rahmen verwendet haben. Mittlerweile machen wir das ja schon ewig. Wir haben uns deswegen entschlossen, etwas anderes zu machen, weil Video ja heutzutage alle haben. Die Technologie ist so günstig, so haben wir uns überlegt, einfach mit mehreren Bildschirmen in verschiedenen Positionen zu arbeiten. Das ist sehr komplex, aber wir haben es zum Laufen gebracht. Wir haben es noch nicht einmal richtig getestet, sind aber sicher, dass es laufen wird ist schon lustig, irgendwie.
Vielleicht wird es auch ein bisschen interaktiver. Letztes Wochenende kamen wir auf die Idee, Fotos von den Leuten am Eingang zu machen und diese im Backstage dann auf dem Computer hoch zu laden, damit sie dann als Background ein Teil der Show sein würden. Die Leute werden dann sicher überrascht sein, ihre Fotos zu sehen, vor allem auf dem Videobildschirm hinter uns. Wir freuen uns auch schon, die neuen Songs zu spielen und wir haben älteres Material neu gemischt. Das sollte alles ganz cool werden.

Mark, seit Anfang an hat man dich nie ohne dein Markenzeichen, die Mütze, zu sehen bekommen. Wird das nicht zu warm auf der Bühne?

Mark: Yeah, das ist schlimm, aber es ist zu spät, um jetzt umzusteigen. Ich muss das für immer machen. Aber manchmal, zum Beispiel Spanien oder Griechenland, da ist es nicht mehr lustig. Da gab es keine Klimaanlage. Aber im Winter in Deutschland ist es okay. Ich denke, das wird schon gehen (lacht). Ich glaube, ich habe damit angefangen, als wir in Schweden oder Norwegen waren. Da war es verdammt kalt. Ich habe eine Auswahl warmer Mützen für die Tour, das wird bestimmt lustig.

Und was steckt dahinter? Du setzt die Mütze ja nie ab nicht für Photos oder bei Konzerten.

Mark: Keine Ahnung. Aber offensichtlich mache ich das nicht, wenn ich zu Hause bin. Das ist wirklich etwas, was ich in der Band mache, aber ich weiß nicht warum. Ich denke, das ist eine Image-Geschichte, ein Markenzeichen. Das wirst du irgendwann nicht mehr los. Das ist seltsam, vielleicht werde ich ja verrückt. Es ist einfach nur eines der Dinge, die ich schon immer gemacht habe und ich kann mir nicht mehr vorstellen, ohne Mütze auf die Bühne zu gehen.

Ich denke, das ist wie der Wechsel in eine andere Person, oder?

Mark: Ja, richtig. Das ist wie mein Alter Ego.

Habt ihr konkrete Zukunftspläne nach der Tour?

Rich: Nicht wirklich. Man schaut eigentlich immer nur ein paar Wochen nach vorn, anstatt Bilder von der Zukunft in einigen Jahren zu entwerfen. Keiner von uns wird jünger. Wir konzentrierten uns voll auf das Album und als das Album veröffentlicht war, war der nächste Schritt die Tour. Erst danach werden wir uns Gedanken machen, was danach kommen könnte. Wir haben schon über Singles geredet und viele andere Sachen, die wir machen könnten, aber ich kann noch gar nicht so weit im Voraus denken. Derzeit geht es nur um die unmittelbaren Dinge, die im Vordergrund stehen.

Danke für das Interview, viel Erfolg mit der Tour und wir drücken euch die Daumen, dass alles funktionieren wird!

Rich: Vielen Dank!

Mark: Ich hoffe es. Danke sehr!

Astrid Kerber, Promofabrik

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