Synthie-Pop Bands gibt's ja wie Sand am Meer - vor allem in unseren Landen und bei den Elchen in Schweden. Oft genug handelt es sich dabei um mit Keyboards bewaffnete Depeche Mode-Fans oder unsägliche Weichspüler. Aus dem britischen Königreich, das ja ansonsten eher für Brit Pop, Drum'n Bass oder House berühmt ist, kommt eine Band, die positiv aus dem Mittelmaß heraussticht und sich nicht hinter großen Vorbildern zu verstecken braucht. Die Rede ist von Mesh. Seit einigen Jahren schon aktiv, konnte das Trio aus Bristol trotz ihrer Qualität allerdings bislang nur Achtungserfolge verbuchen. Mit "You Didnīt Want Me" und "Trust You" konnten sie im letzten Jahr dann doch noch zwei echte Clubsmasher verbuchen. Das gab der Band einen gehörigen Popularitätsschub, was das neue Album "The Point At Which It Falls Apart" zum ersten großen Erfolg werden ließ (Album des Monats bei WOM - das kann sich schon sehen lassen). Was Mesh von der Konkurrenz unterscheidet ist, dass sie neben ihren herzzerreißenden Balladen auch mal richtig losrocken können - am Anfang ihrer Karriere wurden sie daher auch als Missing Link zwischen Depeche Mode und Nine Inch Nails beworben. Das ganz, ganz große Plus sind aber Mesh's Songwritingqualitäten. Ihre Songs sind äußerst eingängig, die Refrains geradezu hymnisch und dennoch bieten die Arrangements immer wieder kleine Überraschungen. Man verläßt sich eben nicht auf billige Standards. Der Erfolg verhalf Mesh nun auch zu einer ersten ausgiebigen Headlinertour durch deutsche Landen, was wir natürlich nicht verpassen durften. In Essen haben wir uns die drei Jungs mal zur Brust genommen und mit unseren Fragen malträtiert.

Na, wie läuft denn Eure erste Headliner Tour durch Germany?

Mesh: Bis jetzt war's o.k. Wir hatten vorgestern einen recht guten Auftritt in Coswig. Wir hatten eine schreckliche Nacht, irgendwo im nirgendwo, aber der Gig war sehr gut.

Zur Musik. Wie würdet ihr Eure Musik beschreiben, wenn ihr müßtet? Wenn ich Euch quasi dazu zwingen würde...

Mesh: (lachen) Ähm, es basiert irgendwie auf Elektronik, aber es geht eigentlich immer um Songs, um ein gutes Songwriting an erster Stelle. Wir versuchen, gute Melodien zu schreiben, sehr zugängliches Zeug, aber auch sehr kraftvoll und intensiv. Es sollte halt interessant sein. Wir benutzen dazu hauptsächlich elektronisches Equipment, aber wir bekommen jetzt auch Feedback von Leuten, die gar nicht so auf diese Electro Sache stehen, sondern die einfach nur unsere Songs mögen. Das finden wir gut, wir hören auch eine große Palette verschiedener Musik.

Ich würde behaupten, Eure Musik hat diesen Synthie-Pop und Achtziger Jahre Appeal, was ja für eine britische Band eher ungewöhnlich ist. Laßt Ihr Euch auch von anderer britischer Musik inspirieren?

Mesh: Wir mögen Britpop, Drum'n Bass, das Problem ist, daß viele Sachen so schnell kommen und gehen. Was diesen Monat in ist, ist nächsten Monat schon wieder nicht mehr gut. Aber Mesh läuft ganz gut im UK...

Ja? Ich hätte eigentlich gedacht, daß diese Art von Musik dort nicht so populär ist. Man liest nichts darüber in den Magazinen, es gibt kaum Clubs die so was spielen...

Mesh: Es ist hauptsächlich die Presse, die etwas problematisch ist. Aber die Leute mögen's. Es ist schon sehr Underground. In den späten Achtzigern war das anders, da war das flavour of the month. Es gibt immer noch Leute, die das mögen, nur die Presse berichtet nicht darüber.

Würdet Ihr sagen, daß Eure Musik zeitlos ist?

Mesh: Etwas schon, würden wir sagen. Die Songs an sich sind schon zeitlos, aber die Musik, die Umsetzung, ist es nicht. Wir haben schon aktuelle Einflüsse dabei, vor allem wenn wir die Basics programmieren.

Würde ich auch sagen, man merkt schon, daß Mesh eine Band der späten Neunziger ist. Ihr sagt, Ihr habt in Eurer Heimat schon respektablen Erfolg. Aber wie sieht's mit den USA aus?

Mesh: Bezüglich Amerika braucht's seine Weile, um sich dort im Musikgeschäft zu etablieren. Das Land ist einfach so groß, da kann es für eine kleine Band wie uns schon frustrierend sein. Aber wir haben dort jetzt einen neuen Vertrieb, unsere Scheiben kann man nun im ganzen Land in allen Plattenläden kaufen. Es scheint dort für uns jetzt auch richtig loszugehen. Der Deal besteht erst seit zwei Wochen, und wir haben schon ein paar Tausend Platten verkauft.

Habt Ihr in den USA auch schon getourt?

Mesh: Nur ein paar Dates. Eine ganze Tour noch nicht, das würde auch unglaublich viel Zeit beanspruchen. Das Land ist ja so riesig. Wir können innerhalb von zwei Wochen ganz Deutschland betouren, aber die Staaten? Vielleicht machen wir später dieses Jahr vier oder fünf Shows dort. Die Leute fragen uns ständig danach, wir bekommen sehr viele e-mails von drüben.

Niggels, Elektric

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